Medizin

Statistiker als häufige Ghostwriter in Medikamentenstudien

Dienstag, 16. Januar 2007

Kopenhagen. Viele Medikamentenstudien werden mithilfe von Ghostwritern erstellt, die von den Herstellern bezahlt, aber in den Publikationen nicht erwähnt werden. Nach einer Studie in PloS Med (2007; 4. e19) werden in drei Viertel der Arbeiten maßgebliche Autoren verschwiegen. In der Regel handelt es sich um Statistiker.

Für seine Studie hat Peter Gøtzsche, der Leiter des in Kopenhagen ansässigen Nordic Cochrane Centre, die Anträge der Firmen bei Ethikkommissionen mit den abschließenden Publikationen verglichen. Ursprünglich wollte Gøtzsche die Studie in Großbritannien durchführen, doch nach Recherchen von Nature wurde ihm dies von Anwälten untersagt. In Dänemark hatte er mehr Erfolg. Die dortigen Ethikkommissionen erlaubten die Einsicht in Unterlagen zu 44 Studien, von denen 43 von Pharmafirmen initiiert worden waren. In 31 Studien fand Gøtzsche Hinweise auf die Mitarbeit von Wissenschaftlern der beteiligten Firmen, die in der späteren Publikation nicht oder jedenfalls nicht als Autor erwähnt wurden. In allen Fällen handelte es sich um Statistiker. 

Statistiker sind für die Auswertung der Rohdaten einer Studie verantwortlich und haben dadurch zweifellos einen großen Einfluss auf die Darstellung der Ergebnisse. Gøtzsche vermutet, dass die Autoren mit Absicht verschwiegen wurden, da die Beteiligung von Mitarbeitern der Pharmafirmen bei der Auswertung, zumal an solch zentraler Stelle, die Glaubwürdigkeit der Studie untergraben könne. Das International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE), ein Zusammenschluss führender Fachzeitschriften, dürfte sich jetzt fragen, ob ihre Leitlinien, die die Offenlegung von Interessenkonflikten fordern, wirklich greifen. © rme/aerzteblatt.de

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