Melanom: Screening im Alter von 50 Jahren gefordert
Mittwoch, 17. Januar 2007
Boston/Chicago - Die steigende Inzidenz und Sterblichkeit am malignen Melanom macht nach Ansicht von amerikanischen Public Health Forschern ein Screening-Programm sinnvoll, das in einer Minimalvariante in einer Studie in den Archives of Dermatology (2007; 143: 21-28) auch kosteneffektiv war. Eine andere Studie zeigt, dass die Akzeptanz der regelmäßigen Selbstuntersuchung verbessert wird, wenn der Lebenspartner in die Schulung einbezogen wird.
Die Sterblichkeit am malignen Melanom ist in den letzten Jahren weiter gestiegen, obwohl der Tumor wie kein zweiter einer Früherkennung zugänglich ist - und dies fast ohne apparativen Aufwand. In der Regel reicht es, wenn ein geübtes Auge einen Blick auf verdächtige Naevi wirft, um diese dann im Zweifelsfall chirurgisch zu entfernen. Dennoch gibt es weder in den USA noch in Deutschland ein organisiertes Screeningprogramm wie etwa beim Brust- und Darmkrebs. Dies liegt weniger daran, dass Zweifel an der Effektivität bestehen. Dass die rechtzeitige Entfernung verdächtiger Naevi lebensrettend sein kann, gilt als selbstevident, obwohl der Beweis in Form einer randomisierten kontrollierten Studien nie geführt wurde.
Die Bedenken betreffen die Kosten, die durch eine regelmäßige dermatologische Untersuchung entstehen. Tatsächlich kommen Elena Losina von der Boston University School of Public Health und Mitarbeiter in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass eine jährliche Vorstellung aller über 50-Jährigen nicht finanzierbar wäre. Für jedes Lebensjahr in guter Lebensqualität (quality-adjusted life year, QALY) müssten 586.800 US-Dollar aufgewendet werden. Das liegt weit über der Grenze von rund. 30.000 US-Dollar, unter der ein Screening-Programm als kosteneffektiv angesehen wird. Auch ein zweijähriges Screening-Intervall ist in einem Gesundheitssystem mit eingeschränkten Ressourcen kaum vertretbar: Die Autoren errechnen hier Kosten von 80.700 US-Dollar pro QALY. Nur ein einmaliges Screening aller 50-Jährigen halten sie wirtschaftlich für vertretbar: Mit 10.100 US-Dollar pro QALY wäre es in hohem Maße „kosteneffektiv“.
Ein häufigeres Screening erscheint für alle Geschwister von Melanom-Patienten sinnvoll. Diese haben ein um den Faktor 2,24 erhöhtes relatives Risiko auf den Hautkrebs. Die Public-Health-Forscher errechnen eine Kosteneffektivität von 35.500 US-Dollar/QALY für ein zweijähriges Screening-Intervall. Eine einmalige Untersuchung im Alter von 50 Jahren sollte bei einem Aufwand von nur 4.000 US-Dollar/QALY fast schon selbstverständlich sein. Da das Melanom insgesamt selten ist, dürften die Gesamtkosten für die Kassen in einem vertretbaren Rahmen liegen. Das gilt nach Ansicht von Losina vor allem für Geschwister, die wegen weiterer Risikofaktoren ein mehr als 5-fach erhöhtes Krebsrisiko haben.
Personen mit einem erhöhten Risiko wird in der Regel zur regelmäßigen Selbstuntersuchung geraten, wobei sich die Einbeziehung des Lebenspartners anbietet. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die Ratschläge oft nicht umgesetzt werden. June Robinson von der Feinberg School of Medicine in Chicago und Mitarbeiter haben deshalb in einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht, ob es sinnvoll ist, wenn die Lebenspartner bereits an der Schulung teilnehmen.
130 Patienten, bei denen bereits ein Melanom entfernt wurde, wurden entweder alleine oder zusammen mit ihrem Lebenspartner geschult. Nach den ebenfalls in den Archives of Dermatology (2007; 143: 37-41 publizierten Ergebnissen lohnt der zusätzliche Aufwand. Verglichen mit der Einzelschulung der Patienten, erhöhte das dyadische - den Partner einbeziehende Konzept - die Rate der Patienten, die ihre Haut bis zum nächsten Arztbesuch einmal (19 versus 9 Personen) oder sogar mehrmals (13 versus 4 Patienten) untersucht hatten. © rme/aerzteblatt.de
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