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Studien: Tamiflu könnte Ausbreitung der Grippe in der Familie stoppen

Mittwoch, 17. Januar 2007

Seattle - Die Einnahme des Virustatikums Oseltamivir (Tamiflu®) kann das Übertragungsrisiko der Grippe in Familien deutlich senken. Dies geht aus vier randomisierten kontrollierten Studien hervor, deren Ergebnisse im American Journal of Epidemiology (2007; 165: 212-221) zusammengefasst werden.

Viele Regierungen haben Vorräte mit dem Virustatikum Oseltamivir angelegt, um im Fall einer pandemischen Vogelgrippe möglichst viele Erkrankte behandeln zu können. Sinnvoller könnte es (zumindest zu Beginn der Epidemie) sein, auch die Umgebung prophylaktisch zu behandeln. Denn Oseltamivir und das verwandte Zanamivir (Relenza®) entfalten zu Beginn der Erkrankung ihre größte Wirkung. Insbesondere scheinen sie noch nicht Infizierte vor einer Erkrankung zu schützen, wie aus 4 randomisierten kontrollierten Studien hervorgeht, die Elizabeth Halloran vom Fred Hutchinson Krebsforschungsinstitut in Seattle ausgewertet hat. Die Studie umfasste 1.475 Haushalte, in denen einzelne Personen an Grippe erkrankt waren - überwiegend an Influenza A (H3N2 oder H1N1).

Beide Medikamente konnten den Ausbruch der Erkrankung bei den mit den Viren exponierten Personen deutlich reduzieren. Die prophylaktische Wirksamkeit betrug unter Zanamivir (75 Prozent) (95-Prozent-Konfidenzintervall 54-86 Prozent) und unter Oseltamivir 81 Prozent (35-94 Prozent).

Für die Eindämmung einer Epidemie ist es allerdings wichtiger, dass die Übertragung auf andere Familienmitglieder verhindert wird. In diesem Punkt scheint es Unterschiede zwischen den beiden Medikamenten zu geben, die mit der Applikationsform zusammenhängen könnten. Oseltamivir ist oral verfügbar, was eine gleichmäßige Verteilung im Körper garantiert. Zanamivir dagegen wird inhaliert. Dies sorgt zwar für hohe Konzentrationen in den Atemwegen. Andere Körperregionen bleiben aber ausgespart. Dazu gehört auch die etwa die Nasenschleimhaut, deren Befall für die Übertragung der Grippe von großer Bedeutung ist. Darauf deuten jedenfalls die Daten zur Infektiosität hin.

Die Zahl der weiteren Erkrankungen in den Familien wurde durch Oseltamivir um 80 Prozent (43-93 Prozent), durch Zanamivir hingegen nur um 19 Prozent gesenkt, wobei das weite 95-Prozent-Konfidenzintervall (–160 bis 75 Prozent) bei Zanamivir darauf hindeutet, dass die Substanz in dieser Hinsicht gar nicht wirksam sein könnte. Angesichts der kleinen Fallzahl warnt Halloran allerdings vor voreiligen Schlüssen. Sie rät zu weiteren Studien, die nicht in Familien durchgeführt werden sollten, denn diese sind aus epidemiologischer Sicht nicht die Triebfeder einer Epidemie. Die Ausbreitung erfolgt meistens an öffentlichen Orten und hier vor allem in Schulen, Altersheimen und am Arbeitsplatz. Sie wären im Fall einer schweren Pandemie die besseren Orte für präventive Maßnahmen als die Familie. © rme/aerzteblatt.de

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