Halbierung der Masern-Todesfälle – WHO intensiviert Impfkampagne
Freitag, 19. Januar 2007
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| Im Februar und März 2006 wurden allein in Bangladesch 33,5 Millionen Kinder geimpft /Unicef |
Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) scheint ihr Ziel, die Zahl der tödlichen Masern-Erkrankungen zu halbieren, erreicht zu haben. Nach einer im Lancet (2007; 369: 191-200) publizierten Studie der Behörde ging die Mortalität zwischen 1999 und 2005 weltweit sogar um 60 Prozent zurück. Die WHO kündigte an, ihre Bemühungen fortzusetzen. Bis 2010 soll die Zahl der Todesfälle um 90 Prozent gesenkt werden.
Seit der erste Impfstoff 1963 lizensiert wurde, konnten die Masern in vielen Industrieländern deutlich zurückgedrängt werden. Während früher jeder die Kinderkrankheit durchmachte, treten die Masern heute nur noch sporadisch auf. In den meisten Entwicklungsländern wurde der vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit dagegen wenig Bedeutung beigemessen, obwohl die Impfung bei Kosten von 16 Cent pro Dosis auch für arme Länder nicht unerschwinglich ist. Dennoch bedurfte es dem Engagement von WHO und der UNICEF sowie der Finanzierung durch die International Development Agency aus Kanada, dem Amerikanischen Roten Kreuz und dem US-Großsponsoren Ted Turner und Bill Gates, um eine globale Impfkampagne zu auf die Beine zu stellen.
In den letzten Jahren wurden in Impfkampagnen in mehr als 40 Ländern in Asien und Afrika mehr als 360 Millionen Kinder geimpft. Mit Erfolg: Starben 1999 weltweit noch schätzungsweise 873.000 Kinder an Masern, so sank diese Zahl im Jahr 2005 auf 345.000. Am größten war der Fortschritt dabei auf dem afrikanischen Kontinent. Hier sank die Zahl der Todesfälle sogar um 75 Prozent von 506.000 auf 126.000.
Die Impfrate - also der Anteil der geimpften an allen Kindern eines Jahrgangs - stieg auf zuletzt 77 Prozent. Es gibt allerdings noch große regionale Unterschiede. In Afrika ist - trotz aller Erfolge – die Impfrate mit 65 Prozent zu niedrig, ebenso in Südasien, wo nur 64 Prozent der Kinder erreicht werden. In einzelnen Krisenländern wie Niger oder der Zentralafrikanischen Republik ist sogar nur jedes dritte Kind geimpft.
Die Rate ist viel zu gering, um weitere Epidemien zu verhindern. Die Masern dürfte damit eine der nach Einschätzung der WHO häufigsten durch Impfstoffe vermeidbaren tödlichen Erkrankungen bleiben. Die WHO kündigte an, ihre Bemühungen fortzusetzen. Sie sollen auf 47 Länder Schwarzafrikas, des indischen Subkontinents und Südostasiens konzentriert werden, wo 98 Prozent aller Todesfälle auftreten.
Ziel ist eine Reduktion der Masern um 90 Prozent bis 2010. Da die Masern nur beim Menschen auftreten, könnte die Erkrankung wie die Pocken in den frühen 1970er-Jahren durch Impfungen im Prinzip vollständig eradiziert werden. Wie schwierig derartige Initiativen sind, zeigen die Rückschläge, welche die WHO bei der Polio in den letzten Jahren erlebte. Die zeitlichen Ziele für die vollständigen Eradikation mussten dort bereits mehrmals verschoben werden.
Todesfälle an Masern sind in Deutschland selten geworden. Gelegentliche Epidemien treten aber noch auf, so zuletzt 2006 in Nordrhein-Westfalen, wo 1.200 Kinder erkrankten. Möglich wurde dies durch eine gewisse Impfmüdigkeit der Bevölkerung. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts nahmen im Jahr 2005 noch über 90 Prozent der Kinder an der ersten Masernimpfung teil. Die zweite Auffrischungsimpfung erhielten jedoch nur noch rund 75 Prozent der Kinder. © rme/aerzteblatt.de
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