Fachgesellschaften: Kritik an Vorgehen im Fall Ashley
Montag, 29. Januar 2007
München - Die medizinische Behandlung des schwerstbehinderten Mädchen Ashley aus den USA haben die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) verurteilt: Das so genannte Ashley-Treatment, nämlich Hormongaben und die Entfernung von Brustdrüsen und Gebärmutter, seien ethisch und medizinisch nicht vertretbar. Angesichts des in den vergangenen Wochen viel diskutierten Falles äußerte sich der Vorstand der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie der DGE und der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie der DGKJ in einer Stellungnahme Ende Januar.
Das inzwischen neunjährige amerikanische Mädchen ist geistig auf dem Entwicklungsstand eines Säuglings. Es hat jedoch eine durchschnittliche Lebenserwartung und wächst heran. Als sich im Alter von sechs Jahren eine verfrühte Pubertät zeigte, beschlossen die Eltern, diese durch Östrogene zu beschleunigen. Denn diese Therapie verringert die endgültige Körpergröße der Betroffenen. Darüber hinaus entfernten die Ärzte im Kinderkrankenhaus in Seattle operativ die Brustdrüsen des Mädchens, unter anderem um einer bestehenden familiären Neigung zu Brustkrebs vorzubeugen. Schließlich entnahmen sie die Gebärmutter mit dem Ziel, die Monatsblutung und damit einhergehende Schmerzen zu verhindern.
„Beide genannten, verstümmelnden Operationen sind ethisch nicht gerechtfertigt und in Deutschland bisher unseres Wissens weder ernsthaft erwogen noch durchgeführt worden“, betonte Olaf Hiort, Lübeck. Die Sorge vor sexuellen Übergriffen auf die Tochter oder dass große Brüste die Pflege behinderten, rechtfertige keinesfalls eine Teilamputation der Brustdrüsen. Und auch Regelbeschwerden stünden in keinem Verhältnis zur Schwere eines operativen Eingriffs.
Nach Angaben der beiden Fachgesellschaften hätte bereits die frühe Pubertät das Wachstum des Mädchens gebremst. Dies hormonell zu verstärken, entbehre jeder medizinischen Grundlage. „Es wird vorgegeben, dass Ashley durch die genannten Maßnahmen stets ein Kind bleiben wird“, so Hiort. Dies sei jedoch falsch. Zwar mindere sich voraussichtlich die Körperlänge des Mädchens und die Monatsblutungen blieben aus. Darüber hinaus altere Ashley jedoch wie andere Menschen auch. © hil/aerzteblatt.de
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