Deutliche Zunahme neurologischer Erkrankungen
Dienstag, 30. Januar 2007
Bethesda - Zahlreiche neurologische Erkrankungen sind in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden. Ob es sich um eine echte Zunahme von Inzidenz und Prävalenz handelt oder die Zahlen nur die bessere Versorgungsqualität neurologischer Erkrankungen widerspiegeln, lässt eine Studie in Neurology (2007; 68: 326-337) offen.
Der Anstieg neurologischer Diagnosen ist erheblich. Am stärksten zeigt sich das beim Autismus. In den USA haben sich die Zahlen innerhalb eines Jahrzehnts vervielfacht: Waren autistische Störungen früher eine außergewöhnliche Seltenheit, so wird die Diagnose heute bei sechs von tausend Kindern gestellt. Zwei von tausend Kindern leiden an einem Tourette-Syndrom, das heute genauso häufig ist wie die Zerebralparese.
Beide Erkrankungen, Autismus und Tourette-Syndrom, sind sogar häufiger als die multiple Sklerose, an der heute einer von 1.000 Amerikanern erkranken, was eine Zunahme um 50 Prozent seit der letzten Übersicht aus dem Jahr 1982 ist, wie Deborah Hirtz vom US-National Institute of Neurological Disorders and Stroke und Mitarbeiter schreiben. Gründe für die Zunahme lassen sich aus den rein deskriptiven epidemiologischen Untersuchungen nicht ableiten, auch wenn die üblichen Verdächtigen, Umwelt und Impfstoffe, in den Medien immer wieder angeführt werden.
Offensichtlich ist dagegen der Grund für die Zunahme der Alzheimer-Erkrankungen: die steigende Lebenserwartung. Sie zählt mit 67 von 1.000 US-Amerikanern zu den häufigsten (schweren) neurologischen Erkrankungen. Auch die Zahl der Parkinsonerkrankungen, an der heute 10 von 1.000 US-Amerikaner erkranken, wird weiter ansteigen. In einem weiteren Beitrag prognostiziert Ray Dorsey von der Rochester Universität eine Verdopplung der Zahlen bis zum Jahr 2030 (Neurology 2007 68: 384-386).
Positiv vermerken Hirtz und Mitarbeiter die Entwicklung bei den traumatischen Hirnerkrankungen, die 101 von 100.000 US-Amerikaner erleiden, ein Rückgang um 50 Prozent seit 1982. Hier dürften sich die Sicherheitsvorschriften im Straßenverkehr (Tempolimit, Gurtpflicht et cetera) ausgewirkt haben, obwohl auch die enger gefassten Kriterien bei der Notfallaufnahme eine Rolle gespielt haben können, vermuten Hirtz und Mitarbeiter. © rme/aerzteblatt.de
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