Kleinere Hirnblutungen nach vaginaler Entbindung keine Seltenheit
Mittwoch, 31. Januar 2007
Chapel Hill/North Carolina - Der enge Weg durch den Geburtskanal führt bei einer vaginalen Entbindung nicht selten zu kleineren Hirnblutungen beim Neugeborenen. Mit einem modernen Kernspintomographen (MRT) entdecken Radiologen in einer retrospektiven Studie in Radiology (2007; 242: 535f-541) bei jedem vierten Neugeborenen kleinere Läsionen.
John Gilmore von der Universität von North Carolina in Chapel Hill führte die Untersuchung an Kindern durch, die nach der Geburt vollkommen unauffällig waren. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die Befunde irgendeine klinische Bedeutung haben. auch wenn dies mangels Langzeitstudien niemand ausschließen kann. Die Befunde sind der zunehmenden Genauigkeit der MRT-Technik zu verdanken, die bereits kleinere Blutungen nachweist. In der Studie kam ein 3,0-Tesla-Gerät zum Einsatz. Die Bilder wurden von einem Radiologen mit 12 Jahren Erfahrung ausgewertet.
Diese sahen bei 17 von 65 vaginal entbundenen Kindern kleinere Blutungen, davon hatten sieben mehrere Formen von Blutungen. Die Radiologen stellten 16 subdurale, zwei subarachnoidale und sechs parenchymale Hämorrhagien fest. In einer Vergleichsgruppe von 23 per Sectio entbundenen Kindern sahen die Radiologen keine Blutungen.
Die Blutungen werden aller Voraussicht nach von den Verschiebungen der noch nicht fusionierten Schädelknochen während dem Austritt aus dem kleinen Becken verursacht. Sie sind das Ergebnis einer erfolgreichen Anpassung der Evolution an die Hirnvergrößerung und deshalb ein völlig normaler Vorgang. Die Studie ist nach Ansicht der Radiological Society of North America kein Grund Frauen grundsätzlich zur Sectio zu raten. Dieser Wunsch wird jedoch zunehmend von den Schwangeren geäußert, wenn auch meistens aus einer anderen Motivation heraus.
Im letzten Jahr hat sich ein Panel der US-National Institutes of Health mit diesem Thema beschäftigt. Danach gibt es zu wenige Studien, um die Vor- und Nachteile des Kaiserschnitts auf Wunsch zu beurteilen. Wegen des erhöhten Risikos einer Placenta previa oder Placenta accreta bei späteren Schwangerschaften raten die US-Experten ab, wenn der Wunsch nach weiteren Kindern besteht. Die Schnittentbindung sollte niemals vor der 39. Gestationswoche erfolgen, wenn eine ausreichende Lungenausreifung nicht verifiziert wurde. Die Sectio sollte auch nicht durch das fehlende Angebot einer Schmerzbehandlung motiviert werden. © rme/aerzteblatt.de
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