Zunahme von Clostridium difficile assoziierten Diarrhöen in Europa
Mittwoch, 31. Januar 2007
London/Berlin - Die britische Health Protection Agency hat neue Zahlen zu nosokomialen Problemkeimen vorgestellt. Danach steigt die Inzidenz Clostridium difficile assoziierter Durchfallerkrankungen (CDAD). Auch in Deutschland werden vermehrt CDAD registriert, wie eine Publikation in Emerging Infectious Diseases (2007; 13: 179-180) zeigt. Im letzten Jahr warnte das Robert-Koch-Institut vor einem besonders virulenten Stamm.
Dieser Stamm, auch als PCR-Ribotyp 027 bezeichnet, ist durch zwei Toxine (Enterotoxin und Cytotoxin) gekennzeichnet, deren Produktion durch eine Genmutation auch noch um ein Vielfaches gesteigert ist. Dies verleiht dem ansonsten meist harmlosen Darmbewohner Clostridium difficile eine besondere Virulenz und Pathogenität. In den USA und Kanada kommt es seit 2000 immer wieder zu kleineren Ausbrüchen von CDAD mit einer ungewöhnlich hohen Letalität von 14 bis 22 Prozent. In Europa wurde der Ribotyp 027 erstmals 2003 in England, dann 2005 in Belgien und den Niederlanden und 2006 in Frankreich beobachtet. In Österreich erkrankte im März letzten Jahren eine Touristin aus Großbritannien. Für Deutschland rief das Robert-Koch-Institut im September zu erhöhter Wachsamkeit auf (Epidemiologisches Bulletin 2006; 36: 309-311).
Bisher wurde der Ribotyp 027 in Deutschland noch nicht gesichtet, es wird aber auch nicht gezielt danach gesucht. Nach einer Umfrage von Mikrobiologen der Medizinischen Hochschule Hannover MHH (DMW 2007: 132: 223-228) legen nur sieben von 22 universitären Labors regelmäßig Kulturen von Clostridium difficile an, was eine Voraussetzung für den genetischen Nachweis von CDAD mit dem PCR-Ribotyp 026 ist.
Die Inzidenz von CDAD in Deutschland steigt jedoch, wie Ralf-Peter Vonberg von der MHH anhand der Entlassungsdiagnosen deutscher Krankenhäuser zeigen kann: Von 2000 auf 2004 kam es zu einem dramatischen Anstieg der CDAD-Fälle von 7,37 auf 39,28 pro 100.000 stationär behandelter Patienten.
Neuere Zahlen liegen für Deutschland nicht vor, während die britische HPA bereits über Daten aus den ersten drei Quartalen von 2006 verfügt. Während dieser Zeit wurden bei 42.625 englischen Patienten Clostridium difficile-Infektion nachgewiesen, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Anstieg um 5,5 Prozent bedeutet. Allerdings macht die HPA weder Angaben über den Anteil des Ribotyps 027 noch über den Verlauf der Erkrankungen.
Ein anderer Problemkeim ist in England seltener geworden. Nach den Angaben des HPA wurden von April bis September 2006 3.391 Bakteriämien mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) gemeldet, ein Rückgang um 5,0 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Seit dem Beginn der MRSA-Surveillance in 2001 schwankt die Inzidenz zwischen 1,69 und 1,88 Fällen pro 10.000 Klinikbetten. Der befürchtete Anstieg ist damit ausgeblieben, die HPA sieht aber keinen Anlass für eine Entwarnung, zumal die Meldungen nur MRSA in Blutkulturen umfassen. © rme/aerzteblatt.de
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