MS-Fälle in der Familie: Keine Rückschlüsse auf den Schweregrad von Geschwistern oder Kindern
Donnerstag, 1. Februar 2007
Cambridge – Familienangehörige mit multipler Sklerose (MS) haben mit hoher Wahrscheinlichkeit das gleiche Alter bei Krankheitsbeginn, jedoch unterscheiden sich die Schweregrade. Dies geht aus Untersuchungen von Wissenschaftlern der University of Cambridge hervor, die das Fachblatt der American Academy of Neurology veröffentlicht hat (Neurology 2007; 68: 376-383).
Die Ursachen von MS sind weitestgehend unbekannt. Ebenso verhält es sich mit den Gründen für das Ausbruchsalter und die Schwere und Art des Krankheitsverlaufs. Neben genetischen Faktoren gelten Umgebungsbedingungen als mögliche ausschlaggebende Größen.
„Wir wissen schon seit geraumer Zeit, dass der familiäre Einfluss eine Rolle bei der Anfälligkeit für multiple Sklerose spielt. Es war jedoch unklar, ob dieser auch den Verlauf der Krankheit mitbestimmt“, erklärte Erstautor Alastair Compston, PhD, von der University of Cambridge Clinical School. Um den Zusammenhang zwischen Familie und den Verlauf der Krankheit zu bestimmen, analysierten die Wissenschaftler Daten von 2 310 Personen aus über 1 000 Familien. In jeder Familie litten mindestens zwei Angehörige an MS. Die Forscher ermittelten unter anderem das Alter zu Krankheitsbeginn, die Behinderung und die Schwere der Krankheit.
Die Untersuchungen ergaben, dass das Eintrittsalter sowohl beim Vergleich von Eltern und Kindern als auch bei Geschwistern große Ähnlichkeiten aufwies. Dieser Zusammenhang gilt aber offenbar nicht für den Schweregrad der Erkrankung. „Das Fortschreiten wird häufig als Indikator für die Schwere der Krankheit angesehen, dabei konnten wir keinen Beweis dafür finden, dass der Schweregrad für zwei Familienmitglieder größere Ähnlichkeiten aufweisen könnte als für zwei andere beliebige Menschen“, berichtet Compston.
Niemand sollte Schlüsse für seine eigene Prognose aus den Beobachtungen bei verwandten MS-Kranken ziehen, hieß es aus der Arbeitsgruppe. Die Forscher hoffen, dass ihre Erkenntnisse bei der Beratung von MS-Kranken und deren Angehörigen helfen. © hil/aerzteblatt.de
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