Feinstaub: Postmenopausale Frauen kardiovaskulär besonders gefährdet
Freitag, 2. Februar 2007
Seattle - Die kardiovaskulären Risiken von Feinstaub scheinen deutlich höher zu sein als bisher angenommen. Eine prospektive Beobachtungsstudie im New England Journal of Medicine (NEJM 2007; 356: 447-458) kommt zu deutlich höheren Risiken als seinerzeit eine Studie der amerikanischen Krebsgesellschaft.
Maßgeblich für die Risikobewertung von Feinstaub waren Daten, die C. Arden Pope von der Brigham Young Universität in Provo, Utah, und Mitarbeiter aus der Cancer Prevention Studie II der American Cancer Society gewonnen hatten. Danach stieg das kardiale Risiko pro 10µg/m3 Feinstaub um 8 bis 18 Prozent (Circulation 2004; 109: 71-77). Joel Kaufman von der Universität Seattle kommt jetzt in einer Auswertung der Women's Health Initiative Observational Study (WHI-OS) zu einem wesentliche höheren relativen Risiko. Jeder Anstieg der PM2,5-Konzentration um 10 µg/m3 Luft erhöhte das kardiovaskuläre Sterberisiko um 76 Prozent (Hazard Ratio 1,76; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,25-2,47). Hinzu kommt noch ein Anstieg der kardiovaskulären Ereignisse wie Herzinfarkt, Koronare Herzkrankheit, Schlaganfall oder periphere arterielle Verschlusskrankheit um 24 Prozent (Hazard Ratio 1,24; 1,09-1,41). Frühere Studien hatten in diesem Punkt keine signifikanten Werte ermittelt.
Wie kann es zu derart unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Die Editorialisten Douglas Dockery und Peter Stone, beides Wissenschaftler der Harvard Universität in Boston, heben zunächst das gegenüber der Cancer Prevention Studie II bessere Design der WHI-OS-Studie hervor. Die WHI-OS musste sich bei der Analyse nicht auf die oft falsch ausgefüllten Todesbescheinigungen verlassen, sondern konnte direkt auf Krankenakten zurückgreifen, in denen auch die kardialen Endpunkte genau aufgezeichnet waren. Die Cancer Prevention Studie II war außerdem zu einem völlig anderen Zweck (Prävention von Krebserkrankungen) durchgeführt worden, während die WHI-OS sich auf die kardiovaskulären Endpunkte konzentriert hatte. Die WHI-OS konnte die Erkrankungen auch genauer mit den Luftmessungen der Environmental Protection Agency (EPA) verbinden als frühere Studie.
Die Ergebnisse der WHI-OS scheinen deshalb aussagekräftiger zu sein als frühere Studien. Offen ist allerdings die Frage, ob postmenopausale Frauen, auf welche die WHI-OS beschränkt war, ein besonderes hohes Risiko haben. Die Editorialisten halten dies für möglich. Frauen hätten anatomisch kleinere Koronarien, die auch häufiger “dysfunktional” seien als bei Männern. Die Atherosklerose sei öfter diffus und deshalb schwerer zu behandeln als bei Männern. Diese Überlegungen sind allerdings kein Beweis für ein besonderes kardiales Risiko von Frauen. Hierzu müsste idealerweise eine vergleichende Beobachtungsstudie durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de
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