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Interventionelle Kardiologie: Elektive PCI ohne herzchirurgischen Hintergrund

Montag, 5. Februar 2007

Washington - Mit zunehmender Erfahrung trauen sich immer mehr Kliniken, perkutane koronare Interventionen (PCI) auch ohne herzchirurgischen Hintergrund anzubieten. Die Society for Cardiovascular Angiography and Interventions (SCAI), ein internationaler Fachverband interventioneller Kardiologen, versucht den Trend zu kanalisieren, indem er in Catheterization and Cardiovascular Interventions (2007; 69; doi 10.1002/ccd.21097) Qualitätstandards aufstellt.

Eine der am meisten gefürchteten Komplikationen bei einer Ballondilatation mit oder ohne Stentimplantation ist ein Verschluss des Koronargefäßes, der eine notfallmäßige Bypass-Operation erforderlich macht. In den Anfangsjahren wurde die PCI deshalb nur von Herzzentren durchgeführt, wo die Patienten notfalls gleich in die Herzchirurgie verlegt werden konnten. Dies stellt auch heute noch die optimale Versorgung dar (Klasse-I-Indikation in den Leitlinien), ist aber längst nicht mehr die Regel.

Nach einer Umfrage der SCAI wird die PCI heute in fast allen US-Staaten als Notfalltherapie beim Herzinfarkt auch dann durchgeführt, wenn die Klinik keine herzchirurgische Abteilung hat. Begründet wird dies mit der Notwendigkeit der sofortigen Rekanalisation, die beim Herzinfarkt die Überlebenschancen umso mehr steigert, je früher sie durchgeführt wird. Das Risiko einer kardiologisch nicht beherrschbaren Komplikation wird als geringer eingeschätzt als die Nachteile, die sich aus einem zeitraubenden Transport ins nächste Herzzentrum ergeben.

Viele PCI werden jedoch elektiv durchgeführt, also bei Patienten, die sich nicht in einer akut lebensbedrohlichen Situation befinden. Nach der SCAI-Umfrage ist aber auch die elektive PCI ohne herzchirurgischen Hintergrund in 28 US-Staaten erlaubt. Als Begründung führen die Kliniken die notwendigen Erfahrungen an, die dem in der elektiven PCI versierten interventionellen Kardiologen auch im Notfall eines Herzinfarktpatienten zugute kämen. Außerdem wird die Gefahr eines Zwischenfalls, der eine Notfall-Bypassoperation erforderlich macht, insgesamt als gering eingestuft. Die SCAI gibt die Inzidenz mit 3 bis 6 pro 1.000 PCIs an.

Ziel der neuen Leitlinien der SCAI ist es, die Rate dieser Zwischenfälle gering zu halten und das Verhalten im Notfall zu standardisieren. Die SCAI fordert von den Zentren, dass sie mindestens 200 PCIs pro Jahr durchführen. Die angestellten Kardiologen sollten über eine Erfahrung von mindestens 500 PCIs in ihrer Karriere und 100 PCIs pro Jahr haben. Außerdem sollten sie die nationalen „Benchmarks“ für den prozeduralen Erfolg und die Komplikationsrate erfüllen, sprich über die notwendige dokumentierte Geschicklichkeit verfügen.

Das unterstützende Personal sollte in der Behandlung von PCI-Patienten geschult sein, die Patienten sollten sorgfältig ausgewählt werden, und es sollte eine enge Zusammenarbeit mit den Herzchirurgen in den benachbarten Zentren geben. Für den Notfalltransport sollte es formalisierte und geprüfte Protokolle geben. Dieser Transport sollte rechtzeitig eingeleitet werden und nach Ansicht der SCAI sollte der Weg in die Herzchirurgie nicht länger als 120 Minuten dauern. Die SCAI fordert von den Herzzentren auch, dass sie ihre Behandlungsergebnisse dokumentieren und für einen nationalen Vergleich zur Verfügung stellen. © rme/aerzteblatt.de

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