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Narkosemittel Isofluran als Alzheimer-Risiko?

Mittwoch, 7. Februar 2007

Boston - In einer Reihe von Laborexperimenten zeigen US-Forscher, dass das Narkosegas Isofluran in Nervenzellen die Ablagerung von Amyloiden fördert und die Apoptose steigert, beides Veränderungen, die für den Morbus Alzheimer charakteristisch sind. Die Publikation im Journal of Neuroscience (2007: 27: 1247-1254) wirft die Frage auf, ob inhalative Narkotika direkt für die bei älteren Menschen häufigen postoperativen kognitiven Dysfunktion (COPD) verantwortlich sein könnten.

Die COPD wurde zunächst nach Bypass-Operationen beobachtet, wo sie mit dem Einsatz der Herz-Lungen-Maschine in Verbindung gebracht wird. Doch auch nicht kardiale Patienten können zu Schaden kommen. In der ISPOCD-1-Studie kam heraus, dass es nach allen größeren Operationen bei etwa einem Viertel aller älteren Menschen (über 60 Jahre) zu kognitiven Störungen kommt (Lancet 1998; 351: 857-61). Allerdings hatten sich nach zwei Jahren die meisten Patienten wieder erholt (Acta Anaesthesiol Scand 2003; 47: 1204).

Seit einiger Zeit gehen Neurologen des Massachusetts General Hospital in Boston der Frage nach, ob die Inhalationsnarkose eine direkte schädigende Wirkung auf Hirnzellen entfaltet. Die jetzt von Zhongcong Xie und Mitarbeitern vorgelegten Experimente stützen diese Vermutung, auch wenn in-vitro-Untersuchungen keine Beweiskraft haben.

In früheren Arbeiten hatten Xie, aber auch andere Forschergruppen zeigen können, dass das häufig verwendete Inhalationsanästhetikum Isofluran sowohl die Bildung des Amyloid-beta Proteins (A-beta) als auch die Apoptose, den programmierten Zelltod, fördert. 

A-beta ist ein Bestandteil der Plaques, die für die irreversible Demenz beim Morbus Alzheimer verantwortlich ist. A-beta entsteht, wenn das Amyloid Precursor Protein (APP) statt durch Alpha-Sekretase, was ungiftige Stoffwechselprodukte ergibt, von den Enzymen Beta-Sekretase (BACE) und Gamma-Sekretase gespalten wird. Dann entstehen toxische Produkte, die zum Untergang der Zellen führen können. 

Jetzt können die Forscher zeigen, dass Isofluran die Konzentration der beiden Enzyme BACE und Gamma-Sekretase erhöht. Außerdem belegen die Experimente, dass Isofluran Caspase aktiviert, das ein Schlüsselenzym für die Apoptose ist. Zwischen beiden Vorgängen, also der Apoptose und der Ablagerung gibt es enge Verknüpfungen, was in den Experimenten ebenfalls deutlich wurde.

Es ergibt sich ein pathophysiologisches Bild, in dem die Anwesenheit des Inhalationsnarkotikums im Gehirn die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz fördert könnte. Die Forscher kündigten weitere Experimente an, in denen sie den Einfluss anderer Inhalationsanästhetika untersuchen wollen. © rme/aerzteblatt.de

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