7.851 News Medizin

Medizin

Morbus Hodgkin: Herzinfarktrisiko noch 25 Jahre nach Therapieende erhöht

Donnerstag, 8. Februar 2007

Sutton - Menschen, die dank einer Chemo- und Radiotherapie einen Morbus Hodgkin überleben, haben lebenslang ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Das geht aus einer Kohortenstudie im Journal of the National Cancer Institute (2007; 99: 186-187) hervor. Die moderne Krebstherapie hat die 5-Jahres-Überlebensrate beim Morbus Hodgkin von 29 Prozent in den 1950er-Jahren auf heute 85 Prozent verbessert, ein nach Ansicht des Editorialisten John Boice von der Vanderbilt Universität in Rockville/Maryland phänomenaler Erfolg, der jedoch mit therapeutischen Risiken erkauft wurde.

In den 1970er-Jahren wurden Stickstoff-Lostverbindungen eingesetzt, die später Leukämien auslösten. Sie wurden inzwischen durch weniger leukämogene Zytostatika ersetzt, die jedoch - wie die Anthrazykline - kardiotoxisch sind. Auch die Bestrahlung des Mediastinums schädigt das Herz. Deshalb hat Anthony Swerdlow vom Institute of Cancer Research in Sutton bei London die Daten von 7.033 Patienten ausgewertet, die zwischen 1967 und 2000 in Großbritannien wegen eines Morbus Hodgkin behandelt wurden.

Von ihnen sind 166 mittlerweile an einem Herzinfarkt gestorben. Der Infarkt war damit 2,5 Mal so häufig wie in der restlichen Bevölkerung, wie aus der standardisierten Mortalitätsrate (SMR = 2,5; 95-Prozent-Konfidenzintervall 2,1-2,9) hervorgeht. Die Gefahr für den einzelnen Hodgkin-Überlebenden ist jedoch gering. Swerdlow errechnet ein absolutes zusätzliches Risiko von 125,8 pro 100.000 Personenjahre.

Das bedeutet für den einzelnen Patienten pro Jahr ein 0,13-Prozent-Risiko, aufgrund der Spätschäden der Therapie an einem Herzinfarkt zu sterben. Die „zivilisatorischen“ und damit vermeidbaren Herzinfarktrisiken der meisten Überlebenden dürften sicher höher sein. Aber entgegen früheren Vermutungen bleibt das Risiko lebenslang erhalten. Swerdlow konnte noch nach 25 Jahren erhöhte Sterbezahlen nachweisen. 

Als etwas irritierend betrachtet Boice den Befund, dass auch das Zytostatikum Vincristin mit einer erhöhten Zahl tödlicher Herzinfarkte assoziiert war. Dieser Befund müsse noch durch weitere Studien geklärt werden, findet Boice. 

Die Bedeutung der Studie reicht über die Patienten mit Hodgkin-Lymphomen hinaus. Anthrazykline werden auch beim Mammakarzinom, bei Non-Hodgkin-Lymphomen und bei der Behandlung der Leukämie eingesetzt. Auch hier muss mit einem vermehrten Auftreten von späten Herzinfarkten gerechnet werden, weshalb Krebsüberlebende lebenslang kardiologisch nachuntersucht werden sollte, lautet eine Empfehlung des Editorialisten. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
7.851 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in