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Studie: Wie die Antibiotikaverschreibung zu Resistenzen führt

Freitag, 9. Februar 2007

Antwerpen - Schon lange warnen Mikrobiologen davor, dass die unkritische Verschreibung von Antibiotika der beste Nährboden für die Verbreitung von Resistenzen ist. Eine randomisierte kontrollierte Studie im Lancet (2007; 369: 482-490) liefert jetzt erstmals den Beweis für eine kausale Beziehung.

Die Gruppe um Herman Goossens von der Universität Antwerpen lud 347 gesunde Freiwillige ein, sich einer Behandlung mit Antibiotika zu unterziehen. Die Mikrobiologen entscheiden sich dabei für zwei häufig bei Rachen- und Atemwegsinfektionen eingesetzte Makrolide. Die Probanden wurden auf 500 mg Azithromycin über 3 Tage, 500 mg Clarithromycin zweimal täglich über 7 Tage oder auf Placebo randomisiert. Vor, während und nach der Therapie wurden regelmäßig Rachenabstriche entnommen. In diesen Abstrichen wurde nach Resistenzen bei Streptokokken gesucht, einem häufiger Vertreter der normalen Rachenflora.

Die Resistenzentwicklung ließ nicht lange auf sich warten. Nach wenigen Tagen schnellte der Anteil der makrolid-resistenten Streptokokken von etwas mehr als 20 auf über 80 Prozent nach oben. Bei Azithromycin wurde der Gipfel bereits nach 4 Tagen, bei Clarithromycin nach 8 Tagen erreicht. Danach nahm der Anteil wieder ab. Die Normalisierung der Flora verlief aber äußerst langsam. Noch am Tag 180, als die Studie beendet wurde, war der Anteil der resistenten Erreger signifikant höher als in der Placebo-Gruppe, obwohl die Antibiotikaeinnahme schon ein halbes Jahr zurücklag.

Über die gesamte Dauer gesehen lag der Anteil der Resistenzen unter Azithromycin um 17,4 Prozent höher als unter Clarithromycin. Die Gabe von Clarithromycin war allerdings mit der Selektion des erm(B)-Gens assoziiert, das eine hochgradige Resistenz vermittelt. Diese Erreger sind dann auch gegen Lincosamid, Streptogramin B und Tetrazykline resistent, schreibt Stephanie Dancer vom Southern General Hospital in Glasgow im begleitenden Editorial (Lancet 2007; 369: 442-443).

Die Mikrobiologin lobt dort die Bemühungen britischer Ärzte, die Zahl von Antibiotikaverordnungen bei oberen Atemwegsinfektionen zu senken, was auch gelungen sei. Antibiotika werden jedoch auch aus anderen Gründen zu häufig verschrieben. Jede systemische Therapie wirke sich zwangläufig auf die Rachenflora aus. Zum sparsamen Einsatz von Antibiotika gebe es aber keine Alternative, wenn man vermeiden wolle, dass sich die Antibiotika-Ära einem, wie die Mikrobiologen befürchtet, „apokalyptischen Ende“ nähere. © rme/aerzteblatt.de

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