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Mittagsschlaf senkt koronare Sterblichkeit

Dienstag, 13. Februar 2007

Athen - In den Mittelmeerländer und Lateinamerika gehört die Siesta zum Lebensstil. Die Menschen ruhen, weil die drückenden Temperaturen ohnehin jegliche Aktivität lähmen. Doch der Mittagsschlaf hat auch gesundheitliche Vorteile. Nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie in den Archives of Internal Medicine (2007; 167: 296-301) senkt ein geruhsamer Mittagsschlaf das kardiale Risiko, vor allem bei Berufstätigen.

Androniki Naska, Universität Athen, und Kollegen der Harvard Universität in Boston führten ihre Studie durch, um eine Erklärung für die geringere Prävalenz der koronaren Herzkrankheit in mediterranen Ländern zu finden. Bisher wurde dies auf die gesunde Kost zurückgeführt mit ihrem hohen Anteil an pflanzlichen Fetten und Ballaststoffen. Naska vermutete die Ursache dagegen in der Sitte, die Mittagszeit ruhend im Schatten auf einer Couch oder im Bett zu verbringen. Das baue nämlich den Stress ab, in dem viele Psychologen eine mögliche Ursache der koronaren Herzkrankheit sehen.

Um diese Frage zu untersuchen, werteten Naska und Mitarbeiter die Daten der griechischen Kohorte zur European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition aus, besser bekannt unter dem Akronym EPIC. An der Studie beteiligten sich 23.681 gesunde Probanden im Alter von 20 bis 86 Jahren, die regelmäßig zu ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten befragt werden. Unter anderem äußerten sie sich zu der Frage, ob sie eine Siesta halten.  

Das Ergebnis ist erstaunlich: Allein die Tatsache, dass sie ab und zu mittags ruhen, ging mit einer Reduktion des koronaren Sterberisikos um 34 Prozent einher: Naska errechnet eine coronary mortality ratio (MR) von 0,66 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,45 bis 0,97; mithin ein signifikantes Ergebnis. Zudem war der Siestafaktor dosisabhängig. Für Personen, die nur gelegentlich ein Schläfchen einlegen, sank die koronare Sterberate nicht signifikant um 12 Prozent (MR 0,88; 0,48-1,60). Wenn sie aber wenigstens dreimal pro Woche für 30 Minuten eine Mittagsruhe einlegten, sank das koronare Sterberisiko um 37 Prozent (MR: 0,63; 0,42-0,93). Am stärksten war die Assoziation bei berufstätigen Männern, für nicht berufstätige Männer und allgemein für Frauen wurde nur ein nicht signifikanter Zusammenhang gefunden. 

Das mag daran gelegen haben, dass die Zahl der koronaren Todesfälle sehr gering war. In den bisher 6,32 Jahren der Nachbeobachtung der EPIC-Studie starben 85 Männer und 48 Frauen an den Folgen einer koronaren Herzkrankheit. Zur Teilnahme der Studie waren nur gesunde Menschen berechtigt. Diese Zahle sind zu gering, um zu sicheren Aussagen zu kommen. Außerdem sind Beobachtungsstudien notorisch anfällig für Störfaktoren. Es könnte sein, dass der Mittagsschlaf nur ein Marker für eine aus anderen Gründen gesündere Lebensweise ist. Außerdem gibt es keine Garantie, dass die Ergebnisse auf Deutschland übertragbar sind. © rme/aerzteblatt.de

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