Stillen für den sozialen Aufstieg
Mittwoch, 14. Februar 2007
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| dpa |
Bristol - Säuglinge, die von ihren Müttern gestillt werden, haben es im späteren Berufsleben oft leichter. Nach den Ergebnissen einer britischen Kohortenstudie in den Archives of Disease in Childhood (2007; doi:10.1136/adc.2006.105494) schaffen gestillte Kinder signifikant häufiger einen sozialen Aufstieg als Flaschenkinder.
Diese Erkenntnis verdankt die Gruppe um Davey Smith von der Universität Bristol der Boyd Orr Kohorte. Sie ist nach dem Ernährungswissenschaftler und späteren Nobelpreisträger (1949) John Boyd Orr benannt, der in den 1930er-Jahren mit seinen Studien auf die damals schlechte Ernährung der britischen Bevölkerung hingewiesen hatte. In den Jahren 1937 bis 1939 wurden in 16 urbanen und ländlichen Regionen Informationen zur Ernährungssituation von fast 3.000 Kindern gesammelt. Bei 1.414 Kindern konnten die Epidemiologen sowohl ermitteln, ob sie als Säugling gestillt wurden, als auch welcher sozialen Schicht sie später angehörten.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Säuglinge, die gestillt wurden, schafften später zu 58 Prozent eine höhere soziale Stellung als ihre Eltern, während dies bei Flaschenkindern nur bei 50 Prozent der Fall war. Das ist ein relativer Unterschied von 41 Prozent, der sich auch in den weiteren Analysen als valide erweisen sollte. Die Forscher können zeigen, dass die Chancen auf einen sozialen Aufstieg mit der Dauer der Stillperiode korrelierten. Es bestand gewissermaßen eine Dosis-Wirkungs-Beziehung, die bei epidemiologischen Studien immer die Glaubwürdigkeit erhöht. Es bestanden sogar Unterschiede innerhalb der Familie. Wenn ein Kind gestillt wurde, machte es eher Karriere als seine mit Babynahrung gefütterten Geschwister.
Die Studie wurde von jenen britischen Wissenschaftler positiv kommentiert, die wegen der niedrigen Prävalenz des Stillens in Großbritannien (drei Viertel versuchen es, aber die meisten geben in den ersten zwei Wochen auf) besorgt sind. Eine Vertreterin des Institute of Child Health meinte, die Zahlen würden die Ergebnisse neuerer Studien bestätigen, nach denen Stillen die kognitive Entwicklung der Kinder fördere. Damit stiegen die Chancen auf eine höhere Bildung, die ein wesentlicher Motor für den sozialen Aufstieg ist. © rme/aerzteblatt.de
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