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Tamoxifenbehandlung: Wechsel auf Aromatase-Inhibitor verbessert krankheitsfreies Überleben

Mittwoch, 14. Februar 2007

London - Beim östrogenrezeptorpositiven Mammakarzinom erhöht der Wechsel von Tamoxifen auf einen Aromatase-Inhibitor (sequenzielle Therapie) die Chancen auf ein krankheitsfreies Überleben. Dies zeigen die abschließenden Ergebnisse der Intergroup Exemestane Study (IES) im Lancet (2007; doi:10.1016/S0140-6736(07)60200-1). Die Erfinder dieses Therapieansatzes raten in einem Editorial allen Patientinnen mit rezeptorpositiven Tumoren zu dieser Option. 

Eine fünfjährige Tamoxifenbehandlung senkt nach den Ergebnissen früherer Studien die Sterblichkeit beim rezeptorpositiven Mammafrühkarzinom etwa um ein Drittel. Es besteht jedoch die Gefahr einer Tamoxifenresistenz. Um sie zu vermeiden, schlugen Onkologen aus Genua schon vor 15 Jahren vor, nach zwei bis drei Jahren von Tamoxifen auf einen Aromatase-Inhibitor zu wechseln.

Dieses Konzept einer sequenziellen Therapie (Switch) wurde in vier Studien evaluiert, von denen drei mit Anastrozol durchgeführt wurden. Die vierte und mit 4.724 Patientinnen bisher größte Studie ist die IES. Sie randomisierte alle Patientinnen, die nach zwei bis drei Jahren Tamoxifen kein Rezidiv ihres Mammakarzinoms erlitten hatten, auf eine Fortsetzung der Tamoxifengabe oder auf einen Switch nach Exemestan. Die Gesamtdauer der Therapie war mit fünf Jahren in beiden Gruppen gleich.

Die jetzt vorgestellten Ergebnisse bestätigen die Erfahrungen aus den anderen drei Studien (ITA, ARNO95 und ABCSG 8): Danach steigert der Wechsel auf einen Aromatase-Inhibitor die Chancen auf ein krankheitsfreies Überleben. Dies war auch der primäre Endpunkt in der IES. Die Gruppe um Charles Coombes vom Imperial College London errechnet nach einer Nachbeobachtung von 55,7 Monaten eine nicht adjustierte Hazard-Ratio von 0,76 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,66-0,88) zugunsten von Exemestan. Da die Verbesserung auf einem ohnehin hohen Niveau erzielt wird, beträgt der absolute Vorteil nur 3,3 Prozent (1,6 bis 4,9 Prozent), und in dem wichtigsten Endpunkt, dem Gesamtüberleben, wurde mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall der nicht adjustierten Hazard Ratio von 0,71 bis 1,02 das Signifikanzniveau (wie auch in zwei der drei anderen Studien) verfehlt.

Von den 2.352 Patientinnen, die mit Exemestan behandelt wurden, starben bisher 222 Patientinnen. Im Arm der fortgesetzten Tamoxifen-Behandlung starben 261 von 2.372 Patientinnen. Diese insgesamt doch sehr gute Prognose beim rezeptorpositiven Mammakarzinom wird es auch in den anstehenden Meta-Analysen schwierig machen, einen signifikanten Vorteil zu belegen. In den IES-Daten ist ein solcher immerhin in einer Subgruppen-Analyse nachweisbar, in der 122 Frauen mit rezeptor-negativen Tumoren ausgeschlossen wurden, für die die Therapie ohnehin nicht indiziert ist. Die Hazard Ratio auf einen Tod während der 5-jährigen Therapie betrug 0,83 (0,69-1,00; p=0,05). 

Die Autoren um Coombes addieren diesen 17-prozentigen Überlebensvorteil mit dem bereits durch die Tamoxifengabe (versus Placebo) erzielten Überlebensvorteil von 34 Prozent und kommen damit auf eine Halbierung der Sterberate durch die sequenzielle Therapie. Die Verträglichkeit der sequenziellen Therapie war so gut, sodass Francesco Boccardo und Alessandra Rubagotti von der Universität Genua im Editorial (Lancet 2007; doi:10.1016/S0140-6736(07)60201-3) die Therapie allen Patientinnen mit rezeptorpositiven Tumoren nahelegen. Für die Kassen bedeutet die Studie einen erneuten Kostenschub, denn die Therapiekosten unter den Aromatase-Inhibitoren sind etwa zehnfach höher als unter einer Tamoxifentherapie. © rme/aerzteblatt.de

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