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Internationale Ärztekongresse als Klimakiller

Freitag, 16. Februar 2007

London - Ärzte tragen durch den Besuch internationaler Kongresse nicht unbeträchtlich am Ausstoß des Treibhausgases CO2 bei – und dies ohne Notwendigkeit, denn der Lernerfolg ist nach wissenschaftlichen Untersuchungen gering, wie ein Mediziner im Britischen Ärzteblatt (BMJ  2007; 334: 324-325) beklagt.

Die Teilnehmerzahl internationaler Ärztekongresse bewegt sich im Bereich von Sportgroßereignissen, mit dem Unterschied, dass die Besucher von Sportgroßereignissen in der Regel aus der Umgebung anreisen, während Kongressteilnehmer aus der ganzen Welt mit Flugzeugen anreisen. Da pro Flugkilometer 170 g CO2 ausgestoßen werden (140 g/km mit dem Auto und 52 g/km mit der Bahn) werden beträchtliche Mengen des Treibhausgases freigesetzt.

So generierten nach einer Berechnung neuseeländischer Mediziner die 17.000 Delegierten, die im letzten Jahr den Jahreskongress der European Respiratory Society in München besuchten, 4000 Tonnen CO2 (BMJ  2006; 333: 1256). Für de 15.000 Besucher der Jahrestagung der American Thoracis Society kommt ein britischer Kollege sogar auf fast 11.000 Tonnen. Das sei allein für diesen Kongress das 550-fache der CO2-Produktion eines US-Bürgers, das 11.000-fache eines Inders und das 110.000-fache eines Fischers am Ufer des Tschad-Sees, des einstmals sechsgrößten Binnensees, der derzeit infolge des Klimawandels austrocknet.

Ian Roberts und Fiona Godlee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine glauben, dass es den Kongressteilnehmern schwerfallen würde, den vom Klimawandel betroffenen Fischern am Tschadsee die Notwendigkeit für die durch Ärztekongresse freigesetzten CO2-Emissionen zu erläutern. Eine weniger CO2-lastige Alternative für den internationalen Informationsaustausch seien Videokonferenzen. Roberts und Godlee loben die Cochrane Collaboration, die es auf der letzten Jahrestagung in Dublin einigen fernen Rednern aus Papua Neuguinea, Tunesien und Uganda  ermöglichte, ihre Referate bei Videokonferenz zu halten. Das Britische Ärzteblatt plant für eine Tagung in Barcelona im April ein ähnliches Vorgehen.

Doch lohnt sich der Besuch eines Kongresses überhaupt? Nach einer Meta-Analyse der Cochrane Collaboration und einer kürzlich in BMC Medical Education (2006, 6: 59) publizierten Untersuchung sind Kongresse als eine Variante des Frontalunterrichts die am wenigsten effektive Methode zur ärztlichen Fortbildung. © rme/aerzteblatt.de

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