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Chirurgie: Videospiele verbessern Geschicklichkeit beim laparoskopischen Operieren

Dienstag, 20. Februar 2007

Boston – Regelmäßiges Videospielen verbessert nach Ansicht eines US-Chirurgen die manuelle Geschicklichkeit bei laparoskopischen Operationen.  Das geht aus einer Studie in den Archives of Surgery (2007; 142: 181-186) hervor.

James Rosser Jr., ein Chirurg am Beth Israel Medical Center in New York hat seine Studie bereits im Jahr 2002 durchgeführt. Dass sie erst jetzt publiziert wird, mag an dem delikaten Thema liegen. Denn die wenigsten Menschen würden die Geschicklichkeit eines Chirurgen mit den stakkatoartigen Zuckungen von Videospielern in Verbindung bringen, zumal das laute Ambiente der Videospiele so gar nicht zur nüchternen Atmosphäre im OP-Saal passen will.

Und doch zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass Videospielen die Augen-Hand-Koordination trainiert, die Reaktionszeiten verkürzt, aber auch räumliches Vorstellungsvermögen und visuelle Aufmerksamkeit verbessert. Dies alles könnte die Geschicklichkeit des Chirurgen bei laparoskopischen Eingriffen zugute kommen, meint Rosser, den Kollegen nach Presseberichten einen hervorragenden Operateur nennen und der nach eigener Aussage ein Videospieler der ersten Stunde ist.

Rosser bildet Chirurgen im laparoskopischen Operieren aus. Sein Fortbildungsmodul hat den bezeichnenden Titel „Rosser Top Gun Laparoscopic Skills and Suturing Program“. Während seiner anderthalbtägigen Seminare testet Rosser die Geschicklichkeit der Chirurgen auch schon einmal an der Spielkonsole. In der Studie mussten die Fortbildungswilligen drei 25-minütige Spiele absolvieren. Die Chirurgen, die hier die meisten Punkte machten, sind nach Auskunft von Rosser auch bei dem eigentlichen Laparoskopietraining die geschicktesten Teilnehmer.

Videospielen scheint bei US-Chirurgen kein ungewöhnliches Freizeitvergnügen zu sein. Von den 33 Teilnehmern gaben neun an, dass sie mehr als 3 Stunden in den Woche an einer Konsole verbringen, weitere neun bringen es auf bis zu 3 Stunden in der Woche. Das ist deutlich weniger, als US-Jugendliche spielen (94 Prozent mit 9 Stunden wöchentlich, Recherchen Rossers zufolge), doch die Erfahrung im Videospiel war in der Studie eindeutig mit den Ergebnissen im abschließenden Seminartest assoziiert. Chirurgen, die mehr als 3 Stunden pro Woche spielten, machten 37 Prozent weniger Fehler, waren zu 27 Prozent schneller und hatten im „Top Gun Score“ (zum laparoskopischen Operieren) zu 47 Prozent bessere Ergebnisse als Chirurgen, die Videospiele mieden.

Rosser sieht sich durch die Ergebnisse darin bestätigt, Videospiele zum Gegenstand seiner chirurgischen Fortbildung zu machen. Videospiele in der Freizeit betrachtet er durchaus als Möglichkeit, die Fehlerrate bei medizinischen Behandlungen zu senken. Die Editorialistin Myriam Curet von der Stanford Universität gibt sich dagegen reserviert (Arch Surg. 2007; 142: 186). Sie verweist auf die Schwächen der Studie, etwa die geringe Fallzahl oder die fehlende Berücksichtigung der Berufserfahrung in der Auswertung.

Auch Rosser weiß, dass „kritikloses Videospielen kein Allheilmittel ist“. In seinen Fortbildungsunterlagen verweist er auf Studien, nach denen häufiges Videospielen die akademische Karriere behindert, antisoziales Verhalten fördert und aggressive Gedanken, Gefühle und Verhalten stimuliert. Zu viele Videospiele könnten deshalb durchaus dazu führen, dass der Traum von der Chirurgenkarriere sehr schnell platzen kann. © rme/aerzteblatt.de

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