Prostatakarzinom: Kardiale Risiken der Androgendeprivation
Montag, 26. Februar 2007
Orlando - Bei älteren Patienten mit Prostatakarzinom erhöht eine therapeutische Androgendeprivation vermutlich das kardiale Sterberisiko. Dies ergibt sich aus der Auswertung eines großen US-Patientenregisters, die jetzt auf dem Prostate Cancer Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt wurde.
Androgene sind Wachstumsfaktoren für das Prostatakarzinom und bei einer fortgeschrittenen Erkrankung kann die Androgendeprivation (durch Medikamente oder auch chirurgisch) in Kombination mit der Strahlentherapie die Überlebenszeit verlängern. Die vollständige Blockade (oder das Fehlen der Produktion) ist jedoch nicht ohne Risiken. Vor zwei Jahren hatte eine Analyse der Surveillance, Epidemiology, and End Results oder SEER-Datenbank gezeigt, dass die Androgendeprivation das Risiko von osteoporotischen Frakturen erhöht (NEJM 2005; 352: 154-164). Jetzt berichten Henry Tsai vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston und Mitarbeiter über ein erhöhtes kardiales Sterberisiko.
Tsai und Mitarbeiter haben die Daten der “Cancer of the Prostate Strategic Urologic Research Endeavor” oder CaPSURE®-Datenbank ausgewertet. Dieses 1995 gegründete Patientenregister hat Daten zu mittlerweile mehr als 11.000 Patienten gespeichert und bietet einen guten Überblick über die derzeitige Therapie des Prostatakarzinoms (in den USA). CaPSURE® kann aber auch – mit den für Beobachtungsstudien üblichen Einschränkungen – zur Suche nach Behandlungskomplikationen genutzt werden.
Tsai und Mitarbeiter verglichen 735 Männern mit lokalisiertem Prostatakarzinom, bei denen eine Androgendeprivation durchgeführt wurde, mit 2.901 Männern, die ohne Androgendeprivation behandelt wurden.
Ergebnis: Nach Berücksichtigung der bekannten kardialen Risikofaktoren (wie Diabetes mellitus, Hypertonus, Body-Mass-Index und Rauchen) war ein gesteigertes Risiko von kardialen Todesfällen nach Androgendeprivation zu beobachten. Es fiel allerdings nur in der Gruppe der über 65-Jährigen signifikant aus. Hier starben in den ersten 3 Jahren der Androgendeprivation 3 Prozent der Patienten an Herzerkrankungen gegenüber 0,9 Prozent in der Vergleichsgruppe.
Eine mögliche Ursache sieht Tsai in der ungünstigen Wirkung der Androgendeprivation auf die kardialen Risikoparameter. Dazu gehören eine Zunahme des Körpergewichts und die Induktion eines Typ-2-Diabetes mellitus. © rme/aerzteblatt.de
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