Medizin

USA: Onkogene humane Papillomaviren wenig prävalent

Mittwoch, 28. Februar 2007

Atlanta - In den USA ist zwar jede vierte Frau im gebärfähigen Alter mit humanen Papillomaviren (HPV) infiziert, die Prävalenz der onkogenen Typen, vor denen der Impfstoff Gardasil® schützt, ist nach einer Publikation im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 297: 813-819) jedoch wesentlich geringer als bisher angenommen.

Der Zervixkarzinom-Impfstoff Gardasil kann Teenager vor einer Infektion mit den HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 schützen, die für 70 Prozent aller Zervixkarzinome und 90 Prozent aller Genitalwarzen verantwortlich sind. Die genaue Verbreitung dieser Viren in der Bevölkerung ist schwer zu ermitteln. Daten aus Kliniken zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten oder Instituten zur Familienplanung führen leicht zu einer Überschätzung der Prävalenz.

Eine gute Quelle ist dagegen die National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), welche die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Atlanta, regelmäßig durchführen. NHANES befragt eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung. Bei der letzten Umfrage aus 2003/2004 wurde eine Untergruppe von 1.921 Frauen gebeten, den Interviewern selbst entnommene Vaginalabstriche zu überreichen. 

In 26,8 Prozent der Proben wurde HPV-DNA nachgewiesen, berichtet CDC-Mitarbeiterin Eileen Dunne. Am höchsten war die Prävalenz bei den jüngeren Frauen. Im Alter von 20 bis 24 Jahren waren 44,8 Prozent HPV-infiziert. Im Alter von 14 bis 24 Jahren waren es 33,8 Prozent. Mit zunehmendem Alter nimmt die Prävalenz danach immer weiter ab. Das zeigt, dass sich die meisten Frauen in der sexuellen Debüt-Periode infizieren, schreiben Susan Weller und Lawrence Stanberry von der Universität von Texas in Galveston im Editorial (JAMA 2007; 297: 876-878). 

Doch die meisten Infektionen entfallen auf nicht onkogene HPV-Subtypen. Mit den vier Typen, vor denen Gardasil schützt, waren nur 3,4 Prozent der Frauen infiziert. Die Prävalenz der für das Zervixkarzinom entscheidenden Typen 16 und 18 betrug sogar nur 1,5 Prozent beziehungsweise 0,8 Prozent.

Diese Werte liegen deutlich niedriger, als jene 2,7 Prozent, die Sue Goldie von der Harvard Universität Boston ihrer Kosten-Nutzen-Analyse zugrunde legte. Die Forscherin hatte im Journal of the National Cancer Institute (2004; 96: 604-615) der HPV-Impfung eine Kosten-Effektivität bescheinigt, wenn sie zusätzlich zum derzeitigen Screening durchgeführt wird. Diese wird auch bei Geimpften weiter notwendig bleiben, da der Impfstoff nicht alle onkogenen Varianten umfasst und auch nicht zu 100 Prozent effektiv ist. Diese Berechnungen der Harvard-Forscherin müssen nach Ansicht der Editorialisten jetzt aktualisiert werden. © rme/aerzteblatt.de

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