HIV: Übertragungsrisiko nach frischer Infektion am höchsten
Dienstag, 6. März 2007
Montreal - Fast die Hälfte aller HIV-Infektionen erfolgt durch Personen, die sich selbst erst kürzlich angesteckt haben. Dies schließen kanadische Forscher im Journal of Infectious Diseases (JID 2007; 195: 951-959) aus einer phylogenetischen Analyse.
Diese Analyse entwirft einen genetischen “Stammbaum” der Viren in den Patienten. Da sich das HI-Virus ständig verändert, verzweigt sich auch der Stammbaum, je länger ein Patienten infiziert ist. In zwei Kohorten von Patienten aus Quebec, die Bluma Brenner und Mark Wainberg vom Aids-Zentrum der McGill Universität in Montreal untersuchten, waren die Viren jedoch genetisch noch so eng miteinander verwandt, dass nach Einschätzung der Autoren fast jede zweite Infektion bereits in der akuten Phase der Erkrankung weitergegeben wurden. In dieser Virämie-Phase, die häufig asymptomatisch verläuft, ist die Viruskonzentration im Körper besonders hoch.
Die meisten Menschen wissen dann noch nichts von ihrer Infektion und selbst wenn sie sich testen ließen, wäre das Ergebnis des Antikörpertest häufig negativ. Ein Problem, das auch Deenan Pillay vom University College London und Martin Fisher, Brighton, im Editorial (JID 2007; 195:924–6) thematisieren. Eine Lösung bestünde im vermehrten Einsatz von direkten Nachweistests für die HI-Viren etwa auf der Basis der Polymerasekettenreaktion, was aber an den hohen Kosten scheitern dürfte. © rme/aerzteblatt.de
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