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Idiopathische Lungenfibrose: Erhöhte Sterblichkeit unter Interferon gamma 1b

Dienstag, 6. März 2007

Brisbane/Kalifornien - Die Hoffnungen, das Fortschreiten der tödlichen Lungenvernarbung bei der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) durch regelmäßige Gabe von Interferon gamma 1b zu bremsen, haben sich endgültig zerschlagen. Der US-amerikanische Hersteller brach eine Phase-III-Studie ab, nachdem in einer Zwischenauswertung die Sterblichkeit höher war als im Placebo-Arm. 

Für die IPF, bei der es aus unbekannten Gründen zu einer rasch fortschreitenden Proliferation von Fibroblasten und einer pathologischen Ablagerung von Kollagen kommt, gibt es keine wirklich effektive Therapie. Auch eine hoch-dosierte Steroidtherapie kann der Verlauf der Erkrankung in der Regel nicht aufhalten. Deshalb musste eine kleine vor siebeneinhalb Jahren publizierte Studie wie ein Hoffnungsschimmer wirken (NEJM 1999; 341: 1264-1269).

Die Gruppe um Lutz Heinrich Block von der Universität Wien berichtete über eine deutliche Verbesserung der Lungenfunktion. Die Patienten waren zusätzlich zu einer niedrigen Prednisontherapie subkutan mit Interferon gamma-1b behandelt worden. Dieses Medikament sollte die Proliferation der Fibroblasten aufhalten. Die Studie hatte jedoch nur 18 Teilnehmer. Sie war nicht Placebo-kontrolliert und Kritiker wendeten später ein, dass nicht alle Patienten die heutigen diagnostischen Kriterien der IPF erfüllten.

Spätere Fallserien konnte die Studienergebnisse nicht bestätigen und eine vor drei Jahren publizierte randomisierte kontrollierte Studie mit 300 Patienten (NEJM 2004; 350: 125-133) fand keinen Vorteil einer Monotherapie mit Interferon gamma 1b bei kortikoid-refraktärer IPF im Endpunkt progressionsfreies Überleben. Aufgrund der geringen Fallzahl und der kurzen Therapiedauer könne ein signifikanter Überlebensvorteil nicht ausgeschlossen werden, berichteten Ganesh Raghu von der Universität von Washington in Seattle und Mitarbeiter damals in der vom Hersteller InterMune gesponserten Studie.

InterMune entschloss sich zu einer Phase-III-Studie, die den Weg zur Zulassung des Medikamentes öffnen sollte. 826 Patienten mit IPF wurden auf eine Therapie mit Interferon gamma 1b oder Placebo randomisiert. Endpunkt war das Gesamtüberleben der Patienten. Doch die erhoffte lebensverlängernde Wirkung wurde nicht erzielt. Im Gegenteil: Eine geplante Zwischenauswertung ergab, dass die Sterblichkeit im Verum-Arm der Studie sogar höher war als im Placebo-Arm (14,5 versus 12,7 Prozent bis zur Auswertung).

Statistische Auswertungen ließen keine Möglichkeit offen, dass sich diese Zahlen bei einer Fortführung der Studie noch ändern könnten. Der Hersteller zog deshalb die Konsequenzen. Er ließ die Studie abbrechen und gab das Ende der klinischen Entwicklung des Präparates Actimmune® in dieser Indikation bekannt. In Deutschland wird das Präparat unter dem Namen Imukin® von Boehringer Ingelheim vertrieben.

Weder in den USA noch in Deutschland ist Interferon gamma 1b zur Behandlung der IPF zugelassen. Zumindest in den USA wurde das Mittel jedoch auf breiter Basis “off-label” eingesetzt. Die Patienten erhielten dadurch nicht nur ein unnützes (wenn nicht gar schädliches) Medikament. Sie (oder die Kassen, wenn sie kulanterweise die Therapiekosten übernahmen) mussten dafür auch tief in die Tasche greifen. Denn die Jahrestherapiekosten betragen 50.000 US-Dollar (in Deutschland für Imukin® etwa 50.000 Euro).

Da das Präparat (in den USA wie auch in Deutschland) nur für zwei sehr seltene Indikationen zugelassen ist (septischer Granulomatose und schwere maligne Osteopetrose) ist es durchaus denkbar, dass der Hersteller einen Großteil der Umsätze mit dem Medikament durch den Off-Label-Einsatz bei der IPF erzielte. In den USA war der Hersteller im letzten Jahr von den Behörden wegen der illegalen Bewerbung der Off-Label-Verwendung abgemahnt worden. InterMune zahlte damals in einem Vergleich 36,9 Millionen US-Dollar. © rme/aerzteblatt.de

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