USA: Erster Renin-Inhibitor zur Hypertonietherapie zugelassen
Mittwoch, 7. März 2007
Washington - Als weltweit erste Zulassungsbehörde hat die US-amerikanische FDA einen Renin-Inhibitor zur Behandlung der Hypertonie zugelassen. Dort wird der Wirkstoff Aliskiren unter dem Handelsname Tekturna® eingeführt. In Europa wird das Präparat unter dem Namen Rasilez® auf den Markt kommen, falls sich die europäische Arzneimittelagentur, bei der der Zulassungsantrag im September 2006 einging, der Entscheidung der US-Behörde anschließt.
Aliskiren ist der erste Renin-Inhibitor und das Ergebnis von mehr als dreißigjährigen Bemühungen, das Prinzip des Renin-Antagonismus in ein brauchbares Medikamente umzusetzen. Der erste Inhibitor Pepstatin wurde bereits 1971 vorgestellt. Da es sich aber um ein Peptid handelte, hätte es parenteral appliziert werden müssen, was kein Hochdruckpatient angesichts oraler Alternativen akzeptieren kann. Außerdem waren die ersten Peptid-Renin-Inhibitoren nur sehr kurz wirksam, was wegen der mehrmals täglichen Applikation ebenfalls kein konkurrenzfähiges Medikament verheißt. Andere Präparate scheiterten an einer zu geringen Wirkung oder Problemen mit der Verträglichkeit.
Auch die Entwicklung von Aliskiren, einem nicht-peptid-Protein mit oraler Verfügbarkeit, wäre fast eingestellt worden, hätte die Speedel AG, an die Ciba-Geigy (heute in Novartis aufgegangen) die Substanz zwischenzeitig lizensiert hatte, nicht einen neuen kostengünstigen Syntheseweg gefunden.
Inzwischen ist das Medikament wieder zu Novartis zurückgekehrt, das es an mehr als 6.460 Patienten erproben ließ, davon an 1.740 Patienten über mehr als 6 Monate und an 1.250 Patienten über mehr als ein Jahr. 2,2 Prozent der Patienten brachen die Therapie wegen Nebenwirkungen ab, eine geringere Rate als im Placeboarm (3,5 Prozent), was für eine gute Verträglichkeit spricht. Zwei Patienten entwickelten jedoch ein Angioödem mit respiratorischen Symptomen, eine Nebenwirkung, die auch von anderen Wirkstoffen bekannt ist, die am Renin-Angiotensinsystem angreifen. Die Fachinformation gibt die Häufigkeit des Angioödems für Aliskiren mit 0,06 Prozent an. Es traten jedoch bei 26 weiteren Patienten mildere Varianten eines Ödems an Gesicht, Händen oder am gesamten Körper auf, deren Inzidenz mit 0,4 Prozent aber nicht höher war als unter Placebo.
Häufigste Nebenwirkung ist eine Diarrhö (2,3 Prozent versus 1,2 Prozent unter Placebo), die jedoch, wie auch gelegentliche andere gastrointestinale Nebenwirkungen, nach Angaben in der Fachinformation im Allgemeinen milde sind. Husten wurde bei 1,1 Prozent (versus 0,6 Prozent unter Placebo) berichtet. Diese Nebenwirkung soll um die Hälfte oder zwei Drittel seltener sein als unter ACE-Hemmern, für die sie charakteristisch ist. Die gute Verträglichkeit könnte ein Pluspunkt des Medikamentes sein, das allerdings in der Schwangerschaft streng kontraindiziert ist, was in einer Black-box-Warnung hervorgehoben wird.
Wie vielen Hypertoniker es gelingen wird, allein mit dem einmal täglich einzunehmenden Aliskiren den Blutdruck zu kontrollieren, geht aus der Fachinformation nicht hervor. Allgemein wird die blutdrucksenkende Wirkung der Renin-Inhibitoren von Experten als eher niedrig eingestuft, weshalb der Hersteller auch die Kombination mit Diuretika oder Valsartan in Studien geprüft hat. © rme/aerzteblatt.de
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