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Dutzende neuer Krebsgene gefunden

Donnerstag, 8. März 2007

Cambridge - Wachstum und Teilung von Krebszellen werden von weitaus mehr Genen angetrieben als bisher vermutet. Dies ergibt sich aus den Gen-Analysen zu unterschiedlichen Krebserkrankungen, die jetzt in Nature (2007; 446: 153-158) publiziert wurden.

Das Cancer Genome Project gehört zu den Projekten der Genforscher, an die höchste Erwartungen geknüpft werden. Denn das Krebswachstum wird heute als direkte Folge von genetischen Mutationen interpretiert, die durch mutagene Reize wie Strahlung (zum Beispiel UV-Licht) oder karzinogene Stoffe (zum Beispiel Asbest) angestoßen werden, sich dann aber gewissermaßen verselbstständigen. Seit langem ist bekannt, dass in den Krebszellen die genetische Ordnung durcheinander gerät. Tumorzellen zeichnen sich durch eine Vielzahl von genetischen Veränderungen aus, von denen aber nur ein kleiner Teil für das Krebswachstum verantwortlich ist.

Die Krebsforscher wollen die Faktoren identifizieren, die den Tumor steuern, um die „Lenker“ von den harmlosen „Beifahrern“ unterscheiden zu können. Die „Lenker“ vermuten die Krebsforscher beispielsweise bei den Genen für die Kinasen, die häufig die Signale von Wachstumsfaktoren, die an den Rezeptoren der Oberfläche eintreffen, an den Zellstoffwechsel weiterreichen. Sie können so zum Schalter für ein unkontrolliertes Zellwachstum werden.

Die Gruppe um Michael Stratton vom Wellcome Trust Sanger Institute, Cambridge/England, hat sich deshalb zunächst auf diese Gene konzentriert. In einer Pilotstudie hatte das Team im Jahr 2002 zeigen können, dass eines dieser Gene, das sogenannte BRAF-Gen bei mehr als 60 Prozent aller malignen Melanome mutiert ist. Dies hat zur Entwicklung neuer Wirkstoffe geführt, von denen sich einige bereits in der klinischen Entwicklung befinden. Die jetzige Studie untersucht weitere Kinasen und Krebserkrankungen, darunter Mamma-, Bronchial- und Magenkarzinome. Man will so einen gemeinsamen genetischen Nenner dieser Erkrankungen finden, um dann ein bei allen Krebserkrankungen wirksames Mittel zu finden.

Dieses Ziel rückt durch die aktuelle Publikation jedoch wieder in weite Ferne. Denn es scheint mehr „Lenker“-Gene zu geben als angenommen. In der aktuellen Publikation werden allein 120 unterschiedliche Gene beschrieben, von denen die meisten bisher unbekannt waren. Diese Gene müssen zu den bereits 350 bekannten Onkogenen hinzugefügt werden. Die Forscher schließen nicht aus, dass noch mehr Gene hinzukommen, wenn weitere Abschnitte des Genoms untersucht werden. In der Pressemitteilung geben sie sich dennoch optimistisch.

Man sei auf dem richtigen Weg, der Krebsentstehung die Geheimnisse zu entreißen, die früher oder später die Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen revolutionieren würden. Man könnte jedoch auch vermuten, dass mit der steigenden Zahl von Genen, die Wachstum und Proliferation von Tumorzellen steuern, auch die Chancen des Tumors steigen, den therapeutischen Angriffen, die immer auf ein Ziel (oder in der Kombinationstherapie auf wenige Ziele) gerichtet sind, zu entgehen. Die hohe Zahl von Resistenzen, die sich bisher gegen jedes Krebsmedikament entwickelt haben (wenn dem Tumor nur genügend Zeit bleibt), sprechen für diese Möglichkeit. © rme/aerzteblatt.de

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