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Erfolgreiche Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen durch Nervenstimulator

Freitag, 9. März 2007

London/Liège - Die elektrische Stimulierung des Nervus occipitalis, eines Hautnervens im Nackenbereich, könnte Patienten mit unerträglichen Cluster-Kopfschmerzen Erleichterung verschaffen. Dies berichten unabhängig voneinander britische und belgische Neurologen in zwei Publikationen im Lancet (2007: doi:10.1016/S0140-6736(07)60328-6) und in Lancet Neurology (2007; doi:10.1016/S1474-4422(07)70058-3).

Am University College London wurden acht Patienten behandelt, die seit 2 bis 12 Jahren mehrfach täglich unter Attacken eines reißenden, bohrenden, manchmal auch brennenden Schmerzes litten. Sie hatten alle evidenzbasierten und eine Reihe nicht evidenzbasierter Therapien hinter sich und standen vor die Wahl, einen destruierenden operativen Eingriff durchführen zu lassen, die – wie etwa die Zerstörung von Ganglien oder Nervenbahnen des Trigeminus – ebenfalls keine Erfolgsgarantie bieten. Zu den derzeit am ehesten Erfolg versprechenden Methoden gehört die Tiefenhirnstimulation des Hypothalamus, wo der Ursprung des Cluster-Kopfschmerzes vermutet wird.

Dieser Eingriff ist jedoch mit Risiken (etwa intrazerebralen Blutungen) verbunden, was bei einer ad vitam ungefährlichen Erkrankung ungern in Kauf genommen wird. Als alternativer Ansatz bietet sich eine Neurostimulierung von peripheren Nerven an, die bereits bei anderen Schmerzereignissen mit Erfolg eingesetzt wurden, wie Peter Goadsby vom University College London und Mitarbeiter berichten. Auch die Injektion von Lokalanästhetika im Verlauf des Nervus occipitalis habe in Einzelfällen den Schmerz gelindert. Sie sind beim Cluster-Kopfschmerz wegen der häufig wiederkehrenden Attacken jedoch kaum praktikabel. Deshalb wurden den Patienten Elektroden unter die Nackenhaut im Bereich des Nervus occipitalis implantiert. Sie erhielten ihre Impulse von einem im Bereich der Brust oder des Abdomens implantierten Steuergerät mit Batterie. 

Über eine Fernbedienung konnten die Patienten die Gerät steuern und bei einer Schmerzattacke nach Bedarf Impulse abgeben. Inzwischen sind mit Mittel 20 Monate seit der Implantation vergangen. 6 der 8 Patienten berichten, dass sich ihr Zustand deutlich gebessert habe. Sie würden die Behandlung auch anderen Patienten empfehlen. Zwei von ihnen beschrieben die Besserung als substanziell (um 90 bis 95 Prozent). Sowohl Anzahl als auch Dauer der Schmerzen hätten sich gebessert. Einige Patienten benutzten die Geräte so häufig, dass die Kapazität der Batterien erschöpft war. Dann kam es zu einer Verschlechterung, die durch den Austausch der Batterien behoben werden konnte.

Von ähnlichen positiven Erfahrungen berichten Jean Schoenen und Mitarbeiter von der Universität Liège bei acht Patienten mit medikamentenresistentem Cluster-Kopfschmerz. Zwei Patienten seien 16 bis 22 Monate nach der Implantation schmerzfrei und drei Patienten hätten eine etwa 90-prozentige Reduktion der Anfallshäufigkeit erzielt. Nur ein Patient habe das Gerät nach etwa 4 Monaten wegen mangelnder Wirkung dauerhaft abgestellt, schreiben die belgischen Neurologen. Wie auch in London bekamen es die Patienten sofort zu spüren, wenn die Ärzte die Geräte wegen nachlassender Batteriekapazität abstellen mussten.

Auch wenn die Therapie nicht ganz frei von Komplikationen ist, die Londoner Arbeitsgruppe berichtet etwa über verrutschte Elektroden, Narbenschmerzen und die Notwendigkeit zum Batterietausch, so stehen diese Nachteile in keinem Vergleich zu den Risiken, die mit einer Implantation von Hirnelektroden verbunden gewesen wären. Dieser Ansicht schließt sich auch die Lancet-Editorialistin Anna Ambrosini von der Kopfschmerzklinik in Pozzilli, Italien an. Dennoch muss einschränkend darauf hingewiesen werden, dass beide Studien keine Vergleichsgruppe hatten, jeweils nur an einem Zentrum durchgeführt wurden, was immer ein gewissen Unsicherheitsfaktor in klinischen Studien ist, sodass die Therapie nicht so schnell als evidenzbasiert anerkannt werden dürfte. © rme/aerzteblatt.de

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