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Windpocken: Schneller Wirkungsverlust des Impfstoffs – Steigende Zahl von Durchbrucherkrankungen in den USA

Donnerstag, 15. März 2007

Atlanta - Die Einführung der Varizellen-Impfung hat in den USA zu einem deutlichen Rückgang der Windpockenerkrankungen geführt. In den letzten Jahren ist jedoch die Zahl der Durchbrucherkrankungen bei Geimpften gestiegen, wie eine Publikation im New England Journal of Medicine (2007; 356: 1121-1129) zeigt. Ursache ist eine relativ schneller Verlust des Impfschutzes, weshalb US-Behörden bereits zu einer Auffrischung im Alter von 4 bis 6 Jahren raten.

In den USA gibt es seit 1995 eine allgemeine Empfehlung zur Windpockenimpfung, die auch auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung stößt. Im Antelope Valley (bei Los Angeles), einem von drei Beobachtungsregionen des Varicella Active Surveillance Project der Centers of Disease Control and Prevention, werden heute etwa 9 von 10 Kindern geimpft. Entsprechend deutlich ist die Zahl der Windpockenerkrankungen bei geimpften Kindern gesunken.

Statt fast 3.000 Erkrankungen im Jahr 1995 wurden in der Region im Jahr 2000 nur noch 521 Windpockenerkrankungen bekannt. Darunter befanden sich 312 Erkrankungen bei geimpften Kindern. Der Anteil dieser Durchbrucherkrankungen beträgt damit etwa 60 Prozent (gegenüber einem Prozent 1995), ein klarer Hinweis auf die begrenzte Langzeitimmunität des Impfstoffes, die sich auch in den folgenden Zahlen von Sandara Chaves und Mitarbeitern der CDC in Atlanta widerspiegelt: Im ersten Jahr nach der Impfung kommt es in 1,6/1.000 Personenjahren zu Durchbrucherkrankungen, im 5. Jahr sind es 9,0/1.000 Personen-Jahre und 9 Jahren nach der Impfung bereits 58,2/1.000 Personenjahre. 

Da die meisten Kinder geimpft sind, verschiebt sich damit auch das Erkrankungsalter: 1995 erkrankten die meisten im Alter von 3 bis 6 Jahren. Im Jahr 2004 lag der Erkrankungsgipfel bei den geimpften Kindern bei etwa 6 bis 9 Jahren, bei den ungeimpften Kindern teilweise sogar bei 11 Jahren. Das ist nicht ganz unbedenklich, da das Komplikationsrisiko der Windpocken mit zunehmendem Alter steigt.

Die Studie geht zwar nicht auf Komplikationen ein, doch die Mitautorin Jane Seward von der CDC betonte gegenüber der Presse, dass das Risiko einer Hospitalisierung um den Faktor 10 bis 15 steige, wenn Erwachsene an Windpocken erkranken. Nach Literaturangaben liegt auch das Sterberisiko bei Erwachsenen um den Faktor 23 bis 29 höher als bei Kinder, die allerdings sehr selten sterben (Case-Fatality-Rate 1/100.000 nach Lancet 2006; 368: 1365-76). Der CDC wurden bisher nur Einzelfälle bekannt (MMWR 2005; 54; 272-274).

Die CDC hat bereits im Juni 2006 Konsequenzen aus der Studie gezogen. Sie empfiehlt allen Kindern eine Auffrischung im Alter von 4 Jahren. Niemand könne jedoch sagen, wie lange dieser Booster wirke, schreiben die Autoren in ihrer jetzigen Studie. © rme/aerzteblatt.de

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