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Herzinfarkt als Berufsrisiko bei der Feuerwehr

Donnerstag, 22. März 2007

Boston - Feuerwehrleute sind im Einsatz weniger durch Brandverletzungen oder Erstickungen gefährdet als durch Herzinfarkte. Dies zeigt eine Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2007; 356: 1207-1215), die auf ein bisher übersehenes Berufsrisiko hinweist.

Feuerwehrleute sind heute gut vor Unfallrisiken geschützt. Es gibt Schutzkleidungen aller Art, Atemmasken und etliche Unfallverhütungsvorschriften. Sie mögen wirksam vor den sichtbaren Gefahren beim Einsatz schützen. Es gibt jedoch auch unsichtbare Risiken wie die mitunter extreme körperliche Belastung. Außerdem kommt es regelmäßig zur Exposition mit Kohlenmonoxyd und Feinstaub - alles kardiale Risikofaktoren, die möglicherweise die Ergebnisse von Stefanos Kales von der Harvard School of Public Health in Boston erklären.

Der Forscher hat alle 1.144 Fälle von Feuerwehrleuten analysiert, die in den USA zwischen 1994 und 2004 im Dienst verstarben – ausgenommen der Opfer des 11.Septembers. Es stellte sich heraus, dass 449 (39 Prozent) an kardiovaskulären Erkrankungen gestorben waren, davon die meisten an einem Herzinfarkt. Von den tödlichen Herzinfarkten ereigneten sich 144 (rund ein Drittel) während der Rettungsarbeiten. Da Feuererwehrleute nur etwa ein bis 5 Prozent ihrer Dienstzeit mit Rettungsarbeiten beschäftigt sind, ergibt sich ein deutlich erhöhtes Risiko. Es steigt nach den Berechnungen von Kales während der Rettungsarbeiten um den Faktor 136, während eines Alarms um den Faktor 14, bei der Rückkehr vom Einsatz um den Faktor 10,5. Auch beim sportlichen Training, mit dem die Feuerwehr die Mitarbeiter fit hält, kommt es 6,6-fach häufiger zu Herzinfarkten als im Bürodienst.

Trotz dieses Berufsrisikos ist im Allgemeinen das Herzinfarktsterberisiko bei Feuerwehrleuten nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung. Linda Rosenstock und Jorn Olsen von der Universität von Los Angeles erklären dies mit einem „Healthy worker effect“ (NEJM 2007; 356: 1261-1263). Danach bewerben sich vor allem körperlich fitte Menschen für den Dienst bei der Feuerwehr, die bei den Aufnahmetests auch eine besondere Auswahl trifft. Nach bestandenen Tests lässt das Interesse der Feuerwehrleute an der körperlichen Fitness jedoch nach. Viele US-Feuerwehrleute sind übergewichtig und zunehmend unsportlich, beklagt Kales.

Eine Studie des US-Dachverbands National Fire Protection Association hatte ergeben, dass mehr als 70 Prozent aller Feuerwehren keine ausreichenden Fitness- und Gesundheitsprogramme für ihre Mitglieder anbieten. © rme/aerzteblatt.de

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