Erfreuliche Langzeitergebnisse nach allogener Bandscheiben-Transplantation
Freitag, 23. März 2007
Hongkong - Die Implantation von allogenen Bandscheiben kann im Bereich der Halswirbelsäule die Beweglichkeit und Stabilität des Rückgrats wiederherstellen. Dies zeigen die jetzt im Lancet (2007; 369: 993-999) vorgestellten Langzeitergebnisse chinesischer Mediziner.
Während in westlichen Ländern die Forschungsanstrengungen zumeist dahin gehen, die Bandscheiben durch autologe - also im Labor aus körpereigenen Zellen gezüchtete Transplantate zu ersetzen - bisher ohne durchschlagenden Erfolge, haben chinesische Mediziner zwischen März 2000 und Januar 2001 5 Patienten (Alter 41 bis 56 Jahre) mit allogenen Transplantaten versorgt. Vier Patienten litten an einer zervikalen spondylotischen Myelopathie, einer schweren degenerativen Veränderung der Wirbelsäule, die bei den Patienten das Halsmark zu strangulieren drohte.
Der fünfte Patient hatte einen traumatischen Bandscheibenvorfall, der akut eine unvollständige Paraplegie verursacht hatte, weshalb eine Notfallindikation zur Operation bestand. Bei allen Patienten wurde eine einzelne Bandscheibe (Höhe war viermal C5-C6, einmal C4-C5) durch ein allogenes Transplantat ersetzt, das von jungen (20 bis 30 Jahre) Spendern stammte; drei jungen Frauen, die bei einem Unfall ums Leben gekommen waren und denen alle Bandscheiben im Halswirbelbereich entnommen wurden.
Den Patienten wurde über einen Zugang nach Smith-Robinson jeweils eine Bandscheibe implantiert. Sie erhielten zu keine immunsuppressive Behandlung, da bei den nicht vaskularisierten Bandscheiben keine Abstoßungsreaktionen zu befürchten waren. Nach der Operation trugen sie für zwei Wochen eine Orthese, danach erfolgte eine langsame Mobilisierung. Schon nach drei Monaten hatten sich die Transplantate mit den Endplatten der Wirbelkörper verbunden, berichten Keith Luk von der Universität Hongkong und Dike Ruan von einem Krankenhaus der Marine in Peking.
Heute seien die neurologischen Befunde bei allen Patienten besser als vor der Operation. Es gebe keine Hinweise auf eine Immunreaktion oder gar auf eine Spondylolisthese, des im Halsbereich gefürchteten „Wirbelgleitens“. Die Autoren sprechen von einem Erfolg. Technisch gesehen kann davon bei einem Patienten allerdings nicht die Rede sein. Bei ihm wurde später eine Nachoperation notwendig. Später kam es zu einer spontanen Fusion der benachbarten Wirbelkörper im posterioren Bereich der transplantierten Bandscheibe. Dieser Patient hat heute rezidivierende Taubheitsgefühle. Er und zwei andere leiden noch unter Schmerzen.
Dennoch ist auch nach Einschätzung der Editoriliasten Wafa Skalli und Jean Dubousset vom Ensam-Institut in Paris der prinzipielle Beweis erbracht, dass eine allogene Transplantation von Bandscheiben langfristig erfolgreich sein kann (Lancet 2007; 369: 968-969). Das gilt aber streng genommen nur für die Halswirbelsäule, nicht aber für die Lokalisationen der meisten Diskopathien im Bereich der Lendenwirbelsäule, die beträchtlich höheren Belastungen ausgesetzt ist.
Dennoch erscheint der Ansatz attraktiv, da im Gegensatz zur Fusionsoperation, der heute bevorzugten Operation, keine negativen Auswirkungen auf die Nachbarbandscheiben zu befürchten sind. Skalli und Dubousset verweisen auf eine Studie, nach der 71 Prozent der Patienten nach einer zervikalen Fusion langfristig eine Diskopathie in den benachbarten Wirbeln entwickelten und 17 Prozent erneut operiert werden mussten. © rme/aerzteblatt.de
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