Tamiflu®: Auch EMEA warnt vor neuropsychiatrischen Komplikationen
Montag, 26. März 2007
London - Auch in Europa wird in den Fachinformationen von Tamiflu (Wirkstoff: Oseltamivir) künftig auf mögliche neuropsychiatrische Komplikationen hingewiesen werden. Dies wurde jetzt auf einer Sitzung des Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde EMEA (European Medicines Agency) angeregt. Vorausgegangen war eine Warnung der japanischen Gesundheitsbehörde.
Dieser waren seit 2004 22 Berichte über Patienten zugegangen, bei denen es nach der Einnahme von Tamiflu zu Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen gekommen war. Auch Halluzinationen und ein Delirium gehörten zu den mitgeteilten neuropsychiatrischen Störungen. Vier Personen kamen ums Leben. Darunter waren ein Teenager, der aus dem Haus und vor ein Auto gerannt war, sowie ein weiterer, der sich aus dem neunten Stock eines Wohnhauses in den Tod stürzte.
Die CHMP kommt nach der Auswertung der Berichte aus Japan zu dem Schluss, dass die Fachinformationen auf diese möglichen Komplikationen hinweisen sollten. Angehörige sollen angewiesen werden, die Patienten, vor allem wenn es sich um Kinder und Jugendliche handelt, sorgfältig auf die genannten Auffälligkeiten hin zu beobachten und gegebenenfalls sofort die behandelnden Ärzte zu alarmieren.
Ob die neuropsychiatrischen Komplikationen tatsächlich auf die Einnahme von Tamiflu zurückzuführen sind, ist indes unklar. Der Hersteller bestreitet einen Zusammenhang. Wenn es bei den 22 Fällen bliebe, wäre es zudem eine sehr seltene Komplikation. In Japan, wo das Mittel großzügig eingesetzt wird, wurden allein in der Grippe-Saison 204/5 sechs Millionen Dosierungen Tamiflu verordnet. Weltweit sollen 42 Millionen Menschen Tamiflu erhalten haben. © rme/aerzteblatt.de
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