Entscheidungshelfer für neurale Stammzellen entdeckt
Dienstag, 27. März 2007
Bochum/Paris – Zwei Moleküle, die das Verhalten von Nervenzell-Vorfahren während der Gehirnentwicklung bestimmen, haben Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Zellmorphologie und Molekulare Neurobiologie in Bochum und der École Normale Supérieure, Paris, entdeckt. Die Arbeitsgruppe publizierte seine Ergebnisse im Journal of Biological Chemistry (2007; 282, (12), 9172-9181).
Nerven- und Gliazellen, haben gemeinsame Urahnen, die neuralen Stammzellen. Sie bringen während der Entwicklung alle Zellen des Nervensystems hervor. Die Arbeitsgruppe interessierte, welche Faktoren für das Verhalten von Stammzellen entscheidend sind: In deren Umgebung nehmen viele verschiedene Moleküle Einfluss auf die Entscheidungsfindungen von Stammzellen, die zum einen die Möglichkeit haben, durch Teilungen weitere neurale Stammzellen hervorzubringen, zum anderen entscheiden können, ob sie zu Nervenzellen oder zu Gliazellen werden.
Ein wichtiges Molekül, das diese Entscheidungen beeinflusst, ist nach Angaben der Arbeitsgruppe das so genannte Tenascin C. Die Menge und die Art dieses Moleküls bestimme in entscheidender Weise, welchen Weg die neuralen Stammzellen einschlagen. Den Forschern gelang es, die Stammzellen genetisch zu verändern. Dadurch produzieren sie eine große Menge eines künstlich eingeführten Gens, den Genschalter Pax6. In den neuralen Stammzellen bewirkt Pax6, dass bestimmte Formen von Tenascin C verstärkt produziert werden, während kurze Tenascin C-Moleküle seltener hergestellt werden.
„Wir konnten zeigen, dass Pax6 für den richtigen Zuschnitt der Genprodukte am Ende ihres Produktionswegs sorgt“, erklärte Ursula Egbers aus der Bochumer Arbeitsgruppe. Die Wissenschaftler vermuten, dass veränderte Tenascin C-Formen die Kommunikation in der Nische zwischen den neuralen Stammzellen und ihren Nachkommen miteinander und untereinander entscheidend beeinflussen. „Die Arbeit an Stammzellen des Gehirns in unserer Projektgruppe trägt dazu bei, dass ein so komplexes Organ wie das Gehirn etwas besser verstanden werden kann“, sagte der Arbeitsgruppenleiter Alexander von Holst. © hil/aerzteblatt.de
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