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Berliner Schüler nach Alkoholexzess gestorben

Donnerstag, 29. März 2007

Berlin - Nach einem Monat im Koma ist ein Berliner Schüler an den Folgen seines schweren Alkoholmissbrauchs gestorben. Der Leichnam des 16-Jährigen, der in der Nacht zum Donnerstag im Krankenhaus starb, soll in den nächsten Tagen zur Ermittlung der genauen Todesursache obduziert werden, sagte ein Polizeisprecher. Der Gymnasiast war Ende Februar nach einem sogenannten Kampftrinken in einem Berliner Lokal zusammengebrochen. Die Polizei ermittelt nun, ob der Wirt oder andere Anwesende für seinen Tod mitverantwortlich sind, da sie den Heranwachsenden nicht vom Trinken abhielten. Der Exzess des 16-Jährigen ist nach Ansicht von Experten kein Einzelfall.

Häufiges Rauschtrinken nimmt nach den Erkenntnissen des Bielefelder Gesundheitsforschers Klaus Hurrelmann bei unter Leistungsdruck stehenden Jugendlichen zu. Während der Alkoholkonsum der jungen Generation stabil sei oder sogar leicht abnehme, sei zugleich bei Jugendlichen aus intakten Verhältnissen und mit schulischem Erfolg eine „explosionsartige Steigerung des Konsums“ zu beobachten, sagte Hurrelmann. „Es scheint eindeutig eine Leistungskomponente im Spiel zu sein.“ Daneben spielten die leichte Verfügbarkeit von Alkohol und zunehmende Billig-Angebote eine Rolle.

Auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm beobachtet eine wachsende Trink- und Risikobereitschaft einer Gruppe von Jugendlichen, während der durchschnittliche Alkokolkonsum sinke. „Es geht eine Schere auseinander“, sagte DHS-Sprecherin Christa Merfert-Diete. Zwar gehöre es zum Heranwachsen selbstverständlich dazu, „Grenzen zu entdecken und zu überschreiten“, aber den Jugendlichen fehle im Gegensatz zu den Erwachsenen „das Einschätzungsvermögen“ im Umgang mit dem „Nervengift Alkohol“. Als problematisch beurteilt Merfert-Diete „die allgemeine Akzeptanz, die Alkohol scheinbar ganz selbstverständlich erscheinen lässt“. Nicht zuletzt durch die Werbung werde jungen Leuten suggeriert: „Wenn du trinkst, fühlst du dich besser und gehörst dazu.“

Um dem Rauschtrinken Jugendlicher zu begegnen, müsse die Gesellschaft die Alkoholindustrie in die Verantwortung nehmen, sagte Hurrelmann. Wenn diese nicht auf die Gesundheitsgefährdung durch ihre Produkte achte, müsse das „öffentlich geächtet“ werden. Daneben sei die Aufklärung der Jugendlichen gefragt, Eltern und Lehrer könnten gemeinsam mit ihnen den Leistungsdruck thematisieren und über einen sinnvollen Ausgleich dazu sprechen. Die Heranwachsenden bräuchten auch Informationen „darüber, wie man Alkohol wirklich als Genussmittel einsetzt“, sagte der Experte. Erst „ganz am Ende“ sei seiner Ansicht nach über einen restriktiveren Alkoholausschank nachzudenken.

Der Bundesverband deutscher Discotheken betonte ebenfalls, ein generelles Verbot des Alkoholausschanks an Jugendliche löse das Problem nicht. „Der meiste Alkohol unter Jugendlichen wird im privaten Bereich konsumiert“, sagte Geschäftsführer Stephan Büttner in Berlin. In vielen Diskotheken und Clubs kämen Jugendliche schon extrem betrunken an. „Eltern, Lehrer, Ausbilder und Vereinstrainer müssen ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol vermitteln“, forderte Büttner. Darüber hinaus erwarte er von den Gastwirten, die sogenannte Flatrate-Partys mit unbegrenztem Trinken zum Festpreis veranstalten, dass sie besonders genau auf die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes achteten. © afp/aerzteblatt.de

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