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Desorientierung und Halluzinationen durch Schlafmittel Gaboxadol

Donnerstag, 29. März 2007

Whitehouse Station/New Jersey/Kopenhagen - Die beiden Pharmakonzerne Merck (in Deutschland MSD) und Lundbeck haben den Abbruch der Entwicklung des Schlafmittels Gaboxadol bekannt gegeben. In einer klinischen Phase-III-Studie war es bei einigen Patienten zu psychiatrischen Nebenwirkungen gekommen, darunter Halluzinationen oder Orientierungsstörungen. Außerdem soll die Wirkung nicht den Erwartungen entsprochen haben, wie die Firmen gegenüber der Wirtschaftspresse bekannt gaben.

Gaboxadol ist ein GABA-Agonist und wirkt damit auf ein Neurotransmittersystem, das lange als der ideale Ansatzpunkt für ein Hypnotikum galt. Die Einschätzung wird nicht mehr von allen Pharmakologen geteilt, seit auch bei anderen Schlafmitteln, die hier wirken, ungewöhnliche Nebenwirkungen aufgetreten sind. Dazu gehören etwa das „sleep-driving“ oder „sleep-eating“, also äußerst ungewöhnliche Varianten des Schlafwandelns, die zuerst mit dem Schlafmittel Zolpidem (Ambien®, in Deutschland Stillnox®) in Verbindung gebracht wurden. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde betrachtet sie inzwischen eher als Klasseneffekt aller Hypnotika und verordnete 13 verschiedenartigen Medikamenten einen Warnhinweis zu „komplexen schlafbezogenen Störungen“.

Zu den Wirkstoffen, die am GABA-System angreifen, gehört auch Indiplon, dessen klinische Entwicklung die Firmen Pfizer und Neurocine zusammen betrieben. Nachdem die FDA im letzten Jahr die Zulassung abgelehnt hatte, beziehungsweise weitere Daten nachforderte, hat sich Pfizer zurückgezogen. Neurocine will den Wirkstoff jetzt allein weiterentwickeln.

Zu den weiter fortgeschrittenen Wirkstoffen in der „Pipeline“ gehören Eplivanserin von Sanofi-Aventis und VEC-162 von Vanda. Beide befinden sich in Phase-III-Studien. Eplivanserin ist ein Serotonin-Antagonist (am 5-HT2A-Rezeptor) und VEC-162 ist ein Melatonin-Agonist. Ob diese Mittel frei von neuropsychiatrischen Komplikationen sind, bleibt abzuwarten. Zu den von der FDA mit Warnhinweisen versehenen Medikamenten gehört auch Ramelteon (in Rozerem® von Takeda), der erste zugelassene Melatoninrezeptor-Agonist. © rme/aerzteblatt.de

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