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West-Nil-Fieber: Zugvögel als potenzielles Reservoir

Donnerstag, 5. April 2007

Langen/Berlin - Das West-Nil-Virus, das sich in den letzten Jahren in den USA beim Menschen ausgebreitet hat, könnte mit Zugvögeln jederzeit auch nach Deutschland importiert werden. Dies ergab eine Untersuchung des Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und des Robert Koch-Instituts (RKI). Zwei bis zwanzig Prozent der untersuchten Vögel hatten Antikörper im Blut, eine aktive Erkrankung konnte jedoch bei allen Tieren ausgeschlossen werden. 

Ausgehend von New York City hat sich das West-Nil-Virus in den letzten Jahren in Nordamerika ausgebreitet. Experten halten eine entsprechende Entwicklung in Europa keineswegs für ausgeschlossen. Da der Nachweis der Antikörper schwierig ist, wäre es durchaus möglich, dass eine Epidemie nicht gleich erkant würde. Besonders gefährlich wäre eine Kontamination von Blutproben. Das PEI hat deshalb knapp 15.000 Blutspenden untersucht. Dabei kam ein neuer Antikörpertest zum Einsatz, den das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg entwickelt hat. Das Ergebnis war in vier Fällen positiv. Nach Angaben des PEI handelte es sich jedoch um serologische Narben früherer Infektionen und nicht etwa um eine aktive Erkrankung. Ob diese Personen im In- oder Ausland infiziert wurden, war nicht mehr zu klären. 

Bei Patienten mit Gehirnentzündung oder Hirnhautentzündung unklarer Ursache fiel der Test bisher immer negativ aus. Das RKI lässt diese Patienten auf Antikörper untersuchen, um den Verdacht einer West-Nil-Virus-Erkrankung auszuschließen. Bei der Untersuchung von weiteren 10.000 Blutspendern auf frische Infektionen (durch den Nachweis des Virus selbst) konnte im Sommer 2005 ausgeschlossen werden, dass das Virus in Deutschland zirkulierte, erklärt das PEI. Die Sicherheit von Blutspenden sei bisher nicht durch das West-Nil-Virus gefährdet, betonte PEI-Präsident Johannes Löwer.

Die hohe Prävalenz von Antikörpern gegen West-Nil-Virus in den Zugvögeln gibt den Experten allerdings zu denken. Über Mücken, die sowohl Vögel als auch Menschen stechen, wäre eine Übertragung auf den Menschen denkbar, heißt es in der Pressemitteilung. Als “Zwischenwirt” kämen auch Pferde in Frage. Alle bisher untersuchten Pferde waren jedoch antikörper-negativ. Da bei keinem der antikörper-positiven Vögel das Virus selbst nachgewiesen wurde, besteht keine akute Gefährdung. Doch die Behörden wollen weiter wachsam bleiben. „Angesichts des Klimawandels brauchen wir aber mehr solcher Studien, viele Fragen kann die Forschung noch nicht beantworten“, wird RKI-Präsident Reinhard Kurth zitiert.

In Europa hat es bislang nur einen Krankheitsausbruch in Rumänien (1996) gegeben. Außerdem wurden vereinzelte Fälle aus Südeuropa berichtet. In Deutschland gab es nach Auskunft der Behörden bislang einige wenige aus dem Ausland eingeschleppte Infektionen. Bei einer West-Nil-Virus-Infektion entwickelt jeder fünfte Infizierte eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, das West-Nil-Fieber. Bei jeder 150. infizierten Person kommt es zu einem schweren Verlauf, etwa zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, die in seltenen Fällen (vor allem bei älteren Patienten) tödlich endet. © rme/aerzteblatt.de

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