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Vor einem Gutachtertreffen der FDA: Zweifel an der Sicherheit von Arcoxia®

Mittwoch, 11. April 2007

Washington - Die Materialen, welche die amerikanische Zulassungsbehörde FDA für die am 12. April anberaumte Sitzung einer Gutachtertagung vorbereitet hat, lassen Zweifel aufkommen, ob Arcoxia (Wirkstoff: Etoricoxib) in den USA zugelassen wird. Der Hersteller Merck (in Deutschland MSD) ist dagegen zuversichtlich, die Experten davon zu überzeugen zu können, dass der Vioxx®-Nachfolger eine therapeutische Lücke („unmet medical need“) füllt.

Die Informationspolitik der FDA ist vorbildlich. Vor den Gutachtersitzungen, in denen Experten ihr Votum zur Zulassung eines neuen Medikaments abgeben sollen, veröffentlicht die Behörde umfangreiche Materialien. So auch vor der heutigen Sitzung des Arthritis Drug Advisory Committee. So können sich nicht nur die geladenen Gutachter über die Positionen des Antragstellers und der FDA informieren. Jeder der Interesse und die nötige Zeit hat, kann sich eine Meinung bilden. Aus dem 158-seitigen Papier der FDA geht hervor, dass die Behörde die Latte für eine Zulassung des Medikamentes, das bereits in mehr als 60 anderen Ländern (darunter Deutschland seit September 2004) eingeführt ist, hoch gelegt hat.

Gefordert wird nicht nur der Nachweis von Wirkung und Sicherheit von Etoricoxib. Der Hersteller muss auch belegen, dass das Medikament benötigt wird, weil es Patienten gibt, deren Beschwerden anders nicht ausreichend behandelt werden können. Dieser „unmet medical need“ bildet auch den Kern des 314-seitigen Dokuments von Merck, das ebenfalls auf der FDA-Seite einsehbar ist.

Der Argumentationsrahmen ist gegeben durch die im letzten Jahr veröffentlichten Ergebnisse der drei MEDAL-Studien (Lancet 2006; 368: 1771-1781). Sie zeigten, dass Etoricoxib ebenso gut verträglich ist wie Diclofenac, das allerdings unter den nicht steroidalen Antiphlogistika (NSAID) mittlerweile selbst als risikobehaftete Substanz gilt. Dies konnte der Hersteller jedoch bei Planung der MEDAL-Studien nicht wissen. Die Wahl fiel auf Diclofenac, weil es die in der für Arcoxia angestrebten Indikation Osteoarthritis die am häufigsten eingesetzte Substanz war.

Aus heutiger Sicht wäre nach Ansicht von Experten Naproxen die bessere Vergleichssubstanz gewesen, da dieser NSAID – jedenfalls nach einer Meta-Analyse – das kardiovaskuläre Risiko nicht erhöht (Hernandez-Diaz S et al. Basic Clin Pharmacol Toxicol 2006; 98: 266-74). Ein weiterer Punkt, der die Gutachter beschäftigen dürfte, ist die in den MEDAL-Studien unter höheren Dosierungen von Etoricoxib signifikant erhöhte Rate von Therapieabbrüchen wegen Hypertonie und Ödemen, wohingegen die Abbruchrate wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen vermindert war. Darin sieht der Hersteller auch einen Hauptvorteil seines Produktes gegenüber Diclofenac und anderen NSAID.

Die Voraussagen darüber, ob die FDA Arcoxia zur Behandlung der Osteoarthritis zulässt, sind nicht eindeutig. Während die Wirtschaftsanalysten eine Zulassung unter erschwerten Voraussetzungen erwarten, glaubt der einflussreiche Kardiologe Steven Nissen von der Cleveland-Klinik, dass die Gutachter sich gegen eine Zulassung aussprechen werden. Die FDA wäre nicht an das Votum der Gutachter gebunden, richtet sich aber in den meisten Fällen danach. © rme/aerzteblatt.de

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