Politik

Nationaler Ethikrat fordert Neuregelung bei Organspenden

Dienstag, 24. April 2007

Berlin - Angesichts des großen Mangels an Spenderorganen hat sich der Nationale Ethikrat für eine Neuregelung bei Organspenden ausgesprochen. Das Gremium legte heute in Berlin dazu ein Stufenmodell vor, das über die bisher geltenden Regelungen des Transplantationsgesetzes hinausgeht. So sollen künftig Organe von Verstorbenen entnommen werden können, wenn diese zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben und auch die Angehörigen keine Einwände haben. Vor Inkrafttreten dieser Regelung soll aber der Staat dafür Sorge tragen, dass die Bürger zu einer persönlichen Erklärung über ihre Spendenbereitschaft aufgefordert werden und über die Konsequenzen Bescheid wissen.

Nach dem Transplantationsgesetz von 1997 sind Organverpflanzungen nur erlaubt, wenn der potenzielle Spender zu Lebzeiten sein Einverständnis erklärt hat oder die engsten Angehörigen nach dessen Tod ihre Zustimmung erteilen. Die Hoffnung, das Transplantationsgesetz werde zu einer Steigerung der Organspenden führen, habe sich nicht erfüllt, heißt es in der nun vorliegenden Stellungnahme des Ethikrates. Die Gründe dafür lägen nicht nur in organisatorischen Defiziten des Gesundheitssystems, sondern auch in der gesetzlichen Regelung. 

Der Nationale Ethikrat schlägt deshalb vor, die geltenden Regelungen durch ein Stufenmodell zu ersetzen, das „ethisch und verfassungsrechtlich“ vertretbar sei. Das Gremium fordert zudem gesetzgeberische Maßnahmen, damit Krankenhäuser ihrer Pflicht zur Meldung potenzieller verstorbener Organspender stärker als bisher nachkommen. 

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 4.000 Menschen durch eine Organspende gerettet. Damit erreichte die Zahl der Transplantationen einen neuen Höchststand. Noch immer aber warten mehr als 12.000 Patienten auf ein lebensrettendes Herz, eine Lunge, eine Leber, eine Niere oder eine Bauchspeicheldrüse. Achtzig Prozent der Deutschen stehen dem Thema Organspende Umfragen zufolge zwar positiv gegenüber, aber nur zwölf Prozent besitzen tatsächlich einen Organspendeausweis.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) sprach sich derweil für umfassendere Aufklärung der Bevölkerung aus. Das müsse auch für die Schulen gelten, sagte Thomas Beck von der DSO im ZDF-Morgenmagazin. Auch wandte er sich gegen finanzielle Anreize zur Organspende, etwa durch Krankenkassen. „Man sollte erst mal das System, das man derzeit hat, ausnutzen“, meinte er. Konkreter bewertete er die Ethikrat-Stellungnahme noch nicht. © kna/afp/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige