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Patientensicherheit: Internet-Liga der Herzchirurgen verbessert Operationsergebnisse

Dienstag, 24. April 2007

Manchester - Seitdem in Großbritannien die Ergebnisse von Herzchirurgen im Internet veröffentlicht werden, ist die perioperative Mortalität gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in Heart (2007. doi:10.1136/hrt.2006.106393). 

In Großbritannien kann sich jeder Patient, der sich einer Bypass-Operation oder einem Aortenklappenersatz unterziehen muss, im Internet über die Operationsergebnisse (fast) aller Kliniken, aber auch über die Leistung jedes einzelnen Chirurgen informieren. Die Seite wurde von der Society for Cardiothoracic Surgery eingerichtet – als Folge eines Skandals, der Ende der 90er-Jahre das Vertrauen in die Herzchirurgen erschüttert hatte.

Über Jahre hin hatten pädiatrische Kardiochirurgen an der Royal Bristol Infirmary schlechte Operationsergebnisse gehabt, ohne dass jemand die Kollegen gestoppt hätte, obwohl die Missstände bekannt waren. Eine Untersuchungskommission sprach später von 35 vermeidbaren Todesfällen und empfahl die Publikation der Operationsergebnisse im Internet. Die Fachgesellschaften leisteten zunächst Widerstand. Sie befürchteten, wohl nicht ganz zu Unrecht, dass einige Herzchirurgen danach streben könnten, Patienten mit niedrigen Risiken zu bevorzugen, um in der „Chirurgen-Liga“ eine Spitzenposition zu erreichen und auf diese Weise weitere Patienten anzuwerben.

Inzwischen scheinen diese Bedenken ausgeräumt, was auch der Verdienst von Euroscore (für European System for Cardiac Operative Risk Evaluation) sein dürfte. Dieser Score berücksichtigt verschiedene Risikofaktoren seitens der Patienten, der Herzfunktion und den Umständen der Operation. Im Internet wird die tatsächliche Leistung der Herzchirurgen mit der nach Euroscore zu erwartenden Leistung verglichen. 

Es bleibt jedoch der Ehrgeiz der Chirurgen (und ihrer Arbeitgeber), eine möglichst gute Leistung zu erbringen. Und dies hat möglicherweise dazu beigetragen, dass die Sterblichkeit der Herzoperationen von 2,4 Prozent in 1997/98, also „vor Bristol“, auf 1,8 Prozent in 2004/5 gesunken ist. Bei diesen Zahlen handelt es sich um die tatsächliche perioperative Mortalität. Ben Bridgewater vom South Manchester University Hospitals Trust und Mitarbeiter haben aber auch die nach dem Euroscore zu erwartende perioperative Mortalität untersucht. Entgegen allen Unkenrufen von Skeptikern, die eine Schönwetterchirurgie prophezeiten, ist die zu erwartende perioperative Mortalität gestiegen.

Dies bedeutet, dass die Herzchirurgen keineswegs die Risikopatienten meiden, sondern sich im Gegenteil vermehrt schwierigeren Fällen zuwenden. Die Autoren berichten, dass der Anteil der über 80-jährigen Patienten und solcher mit Nierenerkrankungen zugenommen habe. Immer häufiger würden auch Patienten operiert, deren Herzinfarkt erst kurze Zeit zurückliegt oder die an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit leiden.

Setzt man beide Endpunkte in eine sinnvolle Beziehung, was im Quotienten aus der beobachteten und der zu erwartenden perioperativen Sterblichkeit geschieht, dann wird die Leistungsverbesserung der britischen Chirurgen noch klarer. Dieser Quotient sank von 0,8 auf 0,51, bei einem p-Wert <0,05 eine signifikante Verbesserung. Nach Ansicht von Bridgewater hat sich der Leistungsvergleich im Internet bewährt, er könne auch für andere Bereiche empfohlen werden.

Die British Heart Foundation hat die Publikation begrüßt. Sie zeige, dass „Liga-Tabellen“, wenn sie sorgfältig erstellt werden, sinnvolle Informationen für Ärzte und Patienten enthalten können. Bis auf eine melden alle Herzzentren ihre Ergebnisse. Die letzte Klinik, St Mary's im Londoner Stadtteil in Paddington/London, will sich nach Presseberichten ebenfalls beteiligen. © rme/aerzteblatt.de

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