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Pneumokokken-Impfung: Wiederanstieg von Erkrankungen infolge “Serotypen-Wandel”

Mittwoch, 25. April 2007

Anchorage - Nachdem die Einführung eines 7-valenten Konjugatimpfstoffes (PCV7) die Rate der invasiven Pneumokokkenerkrankungen deutlich gesenkt hatte, ist es in den letzten Jahren in Alaska wieder zu einem Anstieg gekommen, was Experten im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 297: 1784-1792) auf einen Serotypen-Wandel zurückführen. Editorialisten rechnen damit, dass auch in anderen Regionen die Schutzwirkung von PCV7 nachlassen wird und alle 5 bis 10 Jahre ein neuer Impfstoff benötigt werden könnte.

Aus unbekannten Gründen sind Kinder von Ureinwohnern in Alaska besonders anfällig gegenüber Pneumokokken-Erkrankungen. Vor Einführung des PCV7-Impfstoffes, der ersten auch bei Kleinkindern wirksamen Vakzine, erkrankten 403 auf 100.000 Kinder unter 2 Jahren - mehr als doppelt so viele wie im Rest der USA. Nach der Einführung der Vakzine ging die Inzidenz auf 134/100.000 zurück. Doch die jetzt fehlenden Bakterien hinterließen in der Flora des Nasopharynx offenbar eine Lücke. Kritiker der Impfung hatten dies vorhergesehen und behauptet, dass diese Nische schnell von anderen als den 7 Serotypen, gegen die PCV7 schützt, ausgefüllt werden würde. Sie scheinen recht behalten zu haben.

In den Jahren 2004 bis 2006 stieg in Alaska die Inzidenz von invasiven Pneumokokkenerkrankungen wieder auf 245/100.000 Kinder an. Die Daten, die Rosalyn Singleton vom Arctic Investigations Program der Centers of Disease Control and Prevention (CDC) vorstellt, zeigen, dass die Kinder jetzt mit Non-PV7-Serotypen infiziert sind, wobei der Serotyp 19A mit einem Anteil von 30 Prozent hervorsticht. Interessanterweise treten auch Serotypen auf, die von dem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff nicht erfasst werden, der nur bei Erwachsenen eine Schutzwirkung erzielt. 

Nach Ansicht der Editorialisten Timothy Peters und Katherine Poehling von der Wake Forest Universität in Winston-Salem/North Carolina, besteht wenig Anlass zu der Hoffnung, dass es sich um ein auf Alaska beschränktes Phänomen handeln wird (JAMA 2007; 297: 1825-1827). Denn auch in anderen Bundesstaaten der USA ist es infolge der im Jahr 2000 eingeführten Impfung zu Veränderungen in der nasopharyngealen Flora der Kinder gekommen. Auch hier werden zunehmend Non-PV7-Serotypen angetroffen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis auch hier die Inzidenz von invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Kleinkindern wieder zunimmt.

Davon geht auch der Hersteller des Impfstoffes aus. Er hat einen erweiterten 13-valenten Impfstoff entwickelt - unter Einbeziehung des Serotypen 19A. Die neue Vakzine wird derzeit in einer Phase-III-Studie geprüft. Peters und Poehling gehen davon aus, dass auch diese nicht das letzte Wort sein wird. Sie sagen voraus, dass auch weiterhin alle 5 bis 10 Jahre ein erweiterter Impfstoff benötigt wird. 

In Deutschland wird die PCV7-Vakzine seit August 2005 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfohlen. Es dürfte deshalb noch einige Jahre dauern, bis sich hierzulande der erste “Serotypen-Wandel” bemerkbar macht. © rme/aerzeblatt.de

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