Buddhistische Meditation fördert Konzentrationsfähigkeit
Dienstag, 8. Mai 2007
Madison – Ein dreimonatiger Aufenthalt in einem buddhistischen Meditationszentrum verbesserte in einer Studie in PLoS Biology (2007; 5: e138 doi:10.1371/journal.pbio.0050138) die Aufmerksamkeit der Probanden in einem psychologischen Test.
Wenn Menschen sich stark auf eine Sache konzentrieren, verlieren sie für eine kurze Zeit die Fähigkeit, andere Signale wahrzunehmen, selbst wenn diese wichtig für sie sind. Psychologen sprechen von einem „attentional blink”, von einem Blinzeln der Aufmerksamkeit, das kurze Zeit „blind“ macht. Es war der Grund, warum ein schwedischer Textilunternehmer seinerzeit eine Werbekampagne abbrechen musste, die an Bushaltestellen mit überlebensgroßen Bildern eines Models auf Dessous in Übergröße aufmerksam machte, dabei aber männliche Autofahrer für kurze Zeit „blind“ machte gegenüber den Gefahren des Straßenverkehrs. Mit dem Ergebnis, dass die Unfallzahlen signifikant anstiegen.
Ganz so aufregend sind die Experimente von Psychologen nicht, wenn sie den „attentional blink“ messen. Die Gruppe um Richard Davidson vom Waisman Laboratory for Brain Imaging and Behavior in Madison im US-Staat Wisconsin zeigten ihren Probanden auf einem Bildschirm eine rasche Abfolge von Zahlen. Zwischengeschaltet waren zwei Buchstaben, und die Aufgabe der Probanden bestand darin, sich die beiden Buchstaben zu merken und sie am Ende des Tests zu nennen. Dies gelingt den meisten Teilnehmern sehr gut, außer wenn die Buchstaben zu rasch (in 336 ms) aufeinander folgen. Dann können sich die Probanden oft nur an die erste Zahl erinnern. Die zweite nehmen sie wegen des attentional blink nicht wahr.
Diese Tests führte Davidson an zwei Gruppen von Probanden durch, bevor und nachdem diese einen Meditationslehrgang besucht hatten. Eine Gruppe verbrachte drei Monate in einem Meditationszentrum, wo sie sich täglich 10 bis 12 Stunden am Tag nach den Grundsätzen der Vipassana-Meditation in eine innere Versenkung begab, die nach den buddhistischen Lehren die Einsicht in die Nichtigkeit der Welt fördern soll. Die Kontrollgruppe meditierte nur 20 Minuten täglich, was aber die Ergebnisse in dem zweiten „attentional blink“-Test gegenüber dem ersten „attentional blink”-Test vor dem Meditationstraining kaum verbesserte. Dagegen hatte die intensive Meditation einen deutlichen Einfluss auf die Aufmerksamkeit. Das dreimonatige Training verkürzte die Latenzzeit, in der die Aufmerksamkeit abgeschaltet ist, was sich laut Davidson auch in den EEG-Ableitungen niederschlug.
Die meditationserfahrenen Probanden mussten bei Auftreten des ersten Buchstabens in der Zahlenreihe deutlich weniger Hirnzellen aktivieren als die nicht in der Meditation erfahrenen Probanden. Je weniger die Hirnaktivität beim Erscheinen des ersten Buchstabens anstieg, desto schneller war das Gehirn für eine weitere Konzentration (das Erscheinen des zweiten Buchstabens) bereit und desto kürzer war deshalb der attentional blink.
Da die Probanden beim Test nicht meditierten, muss das dreimonatige Training einen dauerhaften Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit gehabt haben. Wie lange dieser Vorteil anhält, konnten die Psychologen nicht zeigen. Unklar bleibt auch, ob die Verbesserung der Aufmerksamkeit sich in irgendeiner Weise auf die beruflichen Fähigkeiten auswirkt. Schließlich bleibt zu fragen, ob dieser Vorteil es Wert ist, die gesamten Urlaubstage mehrerer Jahre zu investieren, um sich diesen vermeintlichen Vorteil zu verschaffen. © rme/aerzteblatt.de
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