Politik

Mehrheit der Experten für Neuregelung des Stammzellgesetzes

Mittwoch, 9. Mai 2007

Berlin - Eine deutliche Mehrheit der Experten hat sich bei einer Bundestags-Anhörung für eine Liberalisierung des deutschen Stammzellgesetzes ausgesprochen. Vor allem Mediziner und Forscher beklagten am Mittwoch in Berlin massive Einschränkungen. Mehrere Ethiker und Juristen wandten sich indes gegen eine Novellierung des 2001 verabschiedeten Gesetzes. Auch Abgeordnete von SPD, Union und Grünen sowie die katholische Kirche lehnten eine Liberalisierung ab.

Derzeit ist Forschung, bei der menschliche Embryonen zerstört werden, in Deutschland verboten. Nach dem Stammzellgesetz dürfen Wissenschaftler jedoch in engen Grenzen Zellen verwenden, die vor 2002 im Ausland entstanden. Zudem droht Wissenschaftlern, die sich außerhalb Deutschlands an in der Bundesrepublik verbotenen Projekten beteiligen, eine Strafe.

Am Rande der Anhörung sagte der SPD-Bioethikexperte Rene Röspel, die Wissenschaft habe keine überzeugenden Gründe für eine Novellierung geliefert. Dagegen zeigte sich die Linkspartei zu einer Novellierung bereit. Die FDP bekräftigte, die Stichtagsregelung müsse fallen. Der Anhörung lag ein Gesetzentwurf der Liberalen zu Grunde.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) forderte erneut, die Stichtagsregelung aufzuheben, die Strafandrohung für Wissenschaftler zu streichen und die Einfuhr embryonaler Stammzellen für therapeutische oder diagnostische Anwendungen zu ermöglichen. DFG-Vizepräsident Jörg Hinrich Hacker betonte, für weitere Forschungen an adulten Stammzellen benötige man Erkenntnisse aus der embryonalen Forschung.

Für eine Gesetzesänderung plädierten auch der Medizinrechtler Jochen Taupitz, der dem Nationalen Ethikrat angehört, und der Bonner Verfassungsrechtler Matthias Herdegen. Er warb dafür, die Stichtagsregelung durch eine Zulässigkeitsvoraussetzung zu ersetzen. Dabei sollen Einfuhr und Verwendung embryonaler Stammzelllinien davon abhängig sein, ob die Zellen bereits zum Zeitpunkt des Genehmigungsantrags im Ausland bestanden und deren Herstellung nicht in strafbarer Weise veranlasst worden ist.

Den Kompromissvorschlag des evangelischen Bischofs Wolfgang Huber, den Stichtag einmalig zu verschieben, bewerteten die Wissenschaftler kritisch. Der Münsteraner Molekularbiologe Hans Schöler kritisierte, dass bei Einführung eines neuen Stichtags künftige Stammzelllinien wieder herausfielen. Der Heidelberger Wissenschaftler Anthony D. Ho sagte, nach fünf Jahren Stammzellgesetz stießen Forscher in Deutschland an ihre Grenzen.

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, warnte in Bonn, Forschungen mit menschlichen embryonalen Stammzellen setzten die Vernichtung embryonaler Menschen voraus und seien deshalb inakzeptabel. „Man darf nicht den Lebensschutz der Forschungsfreiheit unterordnen“, mahnte er. Die Förderung selbst hochrangiger Forschungsinteressen dürfe keinesfalls dazu führen, dass embryonale Menschen verzweckt und wie ein Rohstofflager angesehen werden. © kna/aerzteblatt.de

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