Medizin

Nur Ballaststoffe aus Getreideprodukten beugen Typ-2-Diabetes mellitus vor

Dienstag, 15. Mai 2007

Potsdam – Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, nicht aber Obst und Gemüse senken das Diabetesrisiko. Das zeigt die neueste Auswertung der EPIC-Studie in den Archives of Internal Medicine (2007; 167: 956-965), wo eine Meta-Analyse aus weiteren Kohortenstudien diesen Befund bestätigte. Für Magnesium sind die Ergebnisse widersprüchlich.

Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) wurde 1992 als prospektive Beobachtungsstudie begonnen, um die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes mellitus zu untersuchen. An der Studie beteiligen sich 23 Zentren aus zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern. Für die jetzige Publikation wurde der vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) betreute Teil der Potsdamer EPIC-Studie analysiert. Von den etwa 25.000 Teilnehmern – 9.702 Männer und 15.365 Frauen im Alter von 35 bis 65 Jahren – erkrankten bisher 844 an einem Typ-2-Diabetes mellitus.

Der Vergleich mit den Ernährungsgewohnheiten, die Matthias Schulze vorstellt, ergab, dass Studienteilnehmer, die viel Vollkornprodukte oder Müsli aßen (oberstes Quintil mit 17 Gramm Ballaststoff pro Tag) im Vergleich zu Teilnehmern mit dem geringsten Verzehr (unterstes Quintil mit 7 Gramm Ballaststoff pro Tag) ein um 28 Prozent verringertes Diabetes-Risiko hatten: Relatives Risiko RR 0,72 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,56-0,93). Dagegen waren in dieser Studie der Verzehr von Ballaststoffen aus Früchten (RR: 0,89; 0,70-1,13) oder Gemüse (RR: 0,93; 0,74-1,17) sowie eine hohe Magnesiumaufnahme (RR: 0,99 [0,78-1,26]) nicht signifikant mit einem gesenkten Erkrankungsrisiko verbunden. 

Auch eine Meta-Analyse von neun anderen prospektiven Studien führte zu sehr ähnlichen Ergebnissen: Die Aufnahme von Getreide-Ballaststoffen war mit einem um 33 Prozent verringerten Diabetes-Risiko verbunden (RR: 0,67; 0,62-0,72), während die Ballaststoffaufnahme aus Obst (RR: 0,96; 0,88-1,04) und Gemüse (RR: 1,04; 0,94-1,15) keine Rolle zu spielen schien.

Acht der neun prospektiven Studien berücksichtigten neben der Ballaststoffaufnahme auch die Magnesiumaufnahme. Anders als bei der Auswertung der Potsdamer EPIC-Studie kommt die Meta-Analyse zu dem Ergebnis, dass auch eine hohe Magnesiumaufnahme mit einem um bis zu 23 Prozent verringerten Diabetes-Risiko der Studienteilnehmer verbunden ist (RR: 0,77; 0,72-0,84).

Die präventive Wirkung führt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie, auf den langsameren postprandialen Blutzuckeranstieg zurück. Dadurch würden Blutzuckerspitzen (und damit eine konsekutiv vermehrte Insulinausschüttung) vermieden, welche die Entstehung eines Diabetes begünstigen. Warum Ballaststoffe auf Vollkornprodukten hier eine günstige Wirkung erzielen, die gleiche Menge Ballaststoffe aus Obst und Gemüse aber nicht, ist nicht einfach zu erklären. Boeing vermutet, dass andere Bestandteile von Vollkorn hier eine Rolle spielen. Er nennt Mineralstoffe wie Magnesium, aber auch phenolische Komponenten. In dieser Frage dürfte jedoch noch Forschungsbedarf bestehen. © rme/aerzteblatt.de

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