Keine Krebsübertragung durch Bluttransfusionen
Montag, 21. Mai 2007
Stockholm – Die Angst, sich über Bluttransfusionen mit Krebs zu infizieren, ist unbegründet. Dies ergibt sich aus einer retrospektiven Kohortenstudie im Lancet (2007; 369: 1724-1730).
Etwa 3 Prozent aller Blutspenden stammen von Personen, die – in der Regel ohne dies zu wissen – krebskrank sind. Diese Zahl ermittelten Gustaf Edgren vom Karolinska-Institut in Stockholm und Mitarbeiter anhand eines Abgleichs der Blutspende- und Krebsregister Schwedens und Dänemarks. Dieser Abgleich war nur möglich, weil in den skandinavischen Ländern jeder Bewohner eine Identifikationsnummer hat, anhand der er in verschiedenen Registern zugeordnet werden kann.
Die Forscher mussten also nur schauen, wie viele Blutspender nach einer gewissen Zeit in den Krebsregistern auftauchen, wobei der einzige Unsicherheitsfaktor die Latenzzeit ist. Denn natürlich kann niemand sagen, zu welchem Zeitpunkt die Krebserkrankung begonnen hat. Die Forscher entschieden sich für 5 Jahre und fanden, dass 12.013 von 354.094 Transfusionsempfängern (3 Prozent) das Blut von vermutlich krebskranken Spendern erhalten hatten.
Dass mit der Blutspende Krebs übertragen wird, ist durchaus denkbar. Als prinzipiell gefährdet gelten abwehrgeschwächte Personen oder immunsupprimierte Patienten. Außerdem werden einige Tumoren durch Viren ausgelöst. Sicher ist dies beim seltenen Kaposi-Sarkom, diskutiert wird es aber auch beim zunehmend häufiger werdenden Non-Hodgkin-Lymphom.
Die jetzt publizierten Daten zeigen jedoch, dass Personen, die Blut von präklinisch krebskranken Personen erhalten haben, nicht häufiger als andere an Krebs erkranken. Die gute Datenbasis erlaubt auch eine Subgruppen-Analyse verschiedener Krebsarten. Sie zeigt auch bei den Lymphomen und Leukämien, wo man am ehesten eine Übertragung befürchten müsste, keine erhöhte Rate an Erkrankungen. © rme/aerzteblatt.de
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