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Niederlande: Regierung will Organspende-Show nicht verhindern

Mittwoch, 30. Mai 2007

Ronald Plasterk

Den Haag – Als „geschmacklos und nicht ethisch“ sehen mehrere Minister in den Niederlanden eine geplante TV-Show zur Vergabe einer Spenderniere an. Sie wandten sich am Dienstag in einer Parlamentsdebatte vor allem „gegen den Wettkampf- und Unterhaltungsaspekt“ der für Freitag angesetzten TV-Sendung. Jeder Versuch der Vorab-Einflussnahme durch staatliche Stellen käme aber einer Zensur gleich, warnte Kulturminister Ronald Plasterk. Die EU-Kommission kritisierte die geplante Ausstrahlung.

In der Sendung des bei Jugendlichen beliebten TV-Machers BNN soll eine 37-jährige krebskranke Frau entscheiden, wer von drei Kandidaten eine Niere von ihr erhält. Das Publikum ist aufgerufen, die als Lisa bekannte Spenderin per SMS zu beraten. Die potenziellen Empfänger wurden nach Angaben des Senders von Ärzten begutachtet. Absicht der Sendung sei es, auf den Organspendenmangel hinzuweisen und für mehr Spenden zu werben.

Minister Plasterk sicherte zu, man werde bei der Ausstrahlung des Beitrags auf Einhaltung der Gesetze etwa über Organspenden und Presserecht achten. Er begrüßte zwar die erklärte Absicht, für mehr Organspenden zu werben. Zugleich zog er einen Vergleich zum alten Rom, wo zum Zeitvertreib Christen den Löwen vorgeworfen wurden.

Ein Teil der Abgeordneten verurteilte das Programm als zu weitgehend und setzte sich dafür ein, künftig gegen solche Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorzugehen. Andere unterstützten die Argumente von Plasterk und von Gesundheitsminister Ab Klink zugunsten freier Meinungsäußerungen.

Diese Sendung sei "ziemlich schlechter Geschmack", sagte dagegen der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar Marko Kyprianou, Philip Tod, am Dienstag in Brüssel. Gleichzeitig kündigte er für Mittwoch die Vorstellung einer Vorlage zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten an, "um die Qualität und die Sicherheit von Organspenden und Transplantationen in Europa zu verbessern". Zudem solle die "Verfügbarkeit von Transplantationsorganen" erhöht werden.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer kritisierte die "Spendershow" scharf: „Diese Sendung ist das makabere Spiel um menschliche Not einer moralisch völlig verkommenen Medienagentur. Inszeniertes Leid und Voyeurismus werden in einer Organshow dargeboten, die durch Menschenverachtung die Quote steigern soll." Weiter forderte Hoppe dringend einen europäischen Wertekonsens, der solch eine unwürdige Zurschaustellung menschlichen Elends unterbindet.

Produzent der „Großen Spendershow“ ist die Firma Endemol, sie Ende der 90er-Jahre mit „Big Brother“ weltweit Schlagzeilen machte. © kna/aerzteblatt.de

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