7.932 News Medizin

Medizin

Cannabis: Schmerzlindernde und unerwünschte Wirkung eventuell trennbar

Dienstag, 12. Juni 2007

Heidelberg – Die schmerzlindernde und die unerwünschte Wirkung der im Haschisch enthaltenen Cannabinoide entstehen an verschiedenen Stellen im Nervensystem. Die Schmerzen werden vor allem an den Nervenfasern unterdrückt, während Rausch und Muskellähmungen überwiegend in Gehirn und Rückenmark entstehen. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Rohini Kuner und Nitin Agarwal vom Pharmakologischen Institut der Universität Heidelberg in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Mainz. Die Wissenschaftler publizierten ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Nature Neuroscience (online publication, doi:10.1038/nn1916).

Der Körper produziert Cannabinoide als erste Hilfe gegen akute Schmerzen. Aber auch bei chronischen Entzündungen entfalten körpereigene Cannabinoide ihre schmerzlindernden Eigenschaften innerhalb des Nervensystems: Sie binden an passende Cannabinoid-Rezeptoren und setzen dadurch Prozesse in Gang, die eine Schmerzlinderung bewirken. Auch Cannabinoide, die man dem Körper von außen zuführt, agieren auf diese Weise.

Zur Therapie sind sie in Deutschland jedoch wegen ihrer schweren Nebenwirkungen und des Suchtpotenzials nur in Ausnahmefällen zugelassen. Die neuen Erkenntnisse zeigen möglicherweise einen Ausweg. Es ist nach Angaben der Arbeitsgruppe denkbar, Cannabinoid-Medikamente zu entwickeln, die gezielt die Schmerzen bekämpfen, ohne gleichzeitig gefährliche Begleiterscheinungen hervorzurufen.

„Wir wollten wissen, wo genau innerhalb des schmerzverarbeitenden Nervensystems Cannabinoide aktiv werden, und die komplexen Abläufe erforschen“, erläuterte Kuner. Bekannt sei, dass Cannabinoide auch in den peripheren Teilen des Nervensystems wirken. Aber dass diese Nozizeptoren als Hauptwirkungsorte der Schmerzlinderung fungieren, galt als unwahrscheinlich. Mit Hilfe gentechnisch veränderter Mäuse konnten die Heidelberger Forscher jetzt diese Vorstellung widerlegen: Mäuse, die in den peripheren Nervenfasern keine Cannabinoid-Rezeptoren ausbilden, im Zentralen Nervensystem jedoch über ein funktionierendes Rezeptor-System verfügen, zeigten eine stark erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen.
„Die körpereigenen Cannabinoide vermitteln ihre schmerzlindernde Wirkung also hauptsächlich über intakte periphere Nervenfasern und nicht über das Zentrale Nervensystem“, so Kuner. Eine Schmerzbehandlung der Tiere mit Cannabinoiden blieb bei den gentechnisch veränderten Mäusen erfolglos. Die üblichen Nebenwirkungen wie Rausch und Lähmungen bildeten sich jedoch aus. Cannabinoide könnten nach Angaben der Arbeitsgruppe im Labor so verändert werden, dass sie als Medikamente in den peripheren Nervenfasern ihre schmerzstillenden Effekte entfalten, die Blut-Hirnschranke aber nicht passieren können. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
7.932 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in