Abmagerungsmittel Rimonabant kann Suizidgedanken auslösen
Dienstag, 12. Juni 2007
Washington – Die Gutachtertagung, die am 13. Juni über die Zulassung des Abmagerungsmittels Zimulti® in den USA beraten soll, wird sich auch mit einer bisher unterschätzten Nebenwirkung des Wirkstoffs Rimonabant beschäftigen: In den klinischen Studien war die Rate von Suizidgedanken signifikant erhöht.
In Deutschland ist Rimonabant als Accomplia® seit September 2006 zugelassen. Der Gemeinsame Bundesausschusses stufte es im Oktober 2006 wie andere Abmagerungsmittel als Lifestyle-Medikament ein, das nicht erstattungsfähig ist. Pharmakologisch ist Rimonabant ein Antagonist am Cannaboid-CB1-Rezeptor. Es wirkt also der „endogenen Cannabisdroge“ entgegen, die unter anderem an der Regulierung des Energiestoffwechsels beteiligt ist. An der gewichtsreduzierenden Wirkung des Mittels hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA keine Zweifel.
Nach den im Internet vorweg publizierten Briefing-Unterlagen nahmen die Teilnehmer der klinischen Studien unter der Dosierung von 20 mg/die Rimonabant im Durchschnitt 5,3 kg ab (gegenüber einen Abnahme um 1,4 kg unter Placebo). Allerdings ist die Wirkung reversibel. Nach dem Absetzten von Rimonabant kommt es jedoch wieder zur Gewichtszunahme.
Die Einnahme von Rimonabant ist nicht frei von Nebenwirkungen. 26 Prozent der Teilnehmer in den klinischen Studien berichteten über psychiatrische Störungen (14 Prozent unter Placebo), darunter auch Depressionen oder depressive Verstimmungen (9 Prozent versus 5 Prozent). Dies ist für Pharmakologen keine Überraschung. Sie bringen CB-1-Rezeptoren im Cortex und anderen Hirnstrukturen mit der Pathogenese von Depressionen und Suizidgedanken in Verbindung (Trend in Pharmacological Sciences (2006; 27: 539-545).
Neu ist jedoch, dass diese Effekte auch bei der klinischen Anwendung von Bedeutung sind. Nach den Unterlagen der FDA steigt das Suizidalitätsrisiko signifikant um 90 Prozent (Odds Ratio 1,9; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,1-3,1). Da jedoch etwa die Hälfte der Patienten in den Studien die Behandlung vorzeitig abbrach, könnte dies nach Einschätzung der FDA eine Unterschätzung des Risikos sein.
Beobachter gehen davon aus, dass das Medikament trotz dieser Risiken in den USA zugelassen wird. Es könnte jedoch – vielleicht sogar an prominenter Stelle zu Beginn der Fachinformation (black box) – zu einem Warnhinweis kommen. © rme/aerzteblatt.de
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