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Mittwoch, 27. Juni 2007
Erfolgreiche Diabetes-Prävention bei fettleibigen Kindern

New Haven – Adipöse Kinder vor einem Typ-2-Diabetes mellitus zu bewahren ist keine leichte Aufgabe. Wie sie gelingen könnte, zeigt eine randomisierte kontrollierte Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2007; 297: 2697-2704).

Vor fünf Jahren hatten Pädiater der Pediatric Obesity Clinic der Yale Universität in New Haven berichtet, dass jedes vierte fettleibige Kind und jeder fünfte fettleibige Jugendliche eine gestörte Glucosetoleranz hat und damit mittelfristig diabetesgefährdet ist (NEJM 2002; 346: 802-10). Eine Konsequenz war die Entwicklung des Bright-Bodies-Programms zur Prävention des Typ-II-Diabetes mellitus bei adipösen Kindern und Jugendlichen. Die 145 Teilnehmer hatten einen Body-Mass-Index (BMI) oberhalb der 95. Perzentile ihrer Altersgruppe hatten: Dies entsprach bei dem durchschnittlich 12 Jahre alten Kind aus der Studie einem Körpergewicht von 87 kg. Der Lebensstil dieser Kinder war geprägt von kalorienreicher Fast-Food-Nahrung und dem Bestreben, unnötige Bewegungen tunlichst zu vermeiden.

Man durfte deshalb nicht erwarten, dass die Bereitschaft, am Bright-Bodies Programm teilzunehmen bei den zumeist aus bildungsfernen Schichten stammenden Kindern sehr groß war. Ursprünglich waren zwei Strategien vorgesehen. Eine Strategie bestand in der Vorgabe strukturierter Mahlzeiten, was aber nur 6 von 35 Teilnehmern über 6 Monate durchhielten. Besser waren die Ergebnisse bei einem „Better Food Choices“-Arm, bei dem den Kindern die Wahl der Nahrungsmittel freigestellt wurde, sie aber intensiv diätetisch beraten wurden. Außerdem nahmen alle Kinder an einem Bewegungsprogramm teil. Es bestand aus 2 Sportstunden (à 50 Minuten) in der Woche, zu denen die Kinder mit diversen populären Sportarten gelockt wurden. Hier blieben immerhin 86 von 106 Kindern bei der Stange. Offenbar sind fettleibige Kinder mit Spaß und Sport eher zu motivieren als mit Nahrungsmittelverboten.

Das Bright Bodies-Programm war auch nach 12 Monaten noch erfolgreich, wie die Leiterin Mary Savoye-Desanti berichtet. Zwar gelang es nicht, das Körpergewicht der Kinder zu reduzieren. Die Kinder wogen am Ende des ersten Jahres genau so viel wie vorher. Doch eine Gewichtsstabilisierung in der Wachstumsphase ist gleichbedeutend mit einem BMI- Rückgang. Nach 12 Monaten war der BMI um 1,7 Punkte gesunken, während die Kinder in der Kontrollgruppe noch um 1,6 Punkte zugelegt hatten. Das macht einen Unterschied von 3,3 Punkten, der sich – wegen einer Differenz von 9,2 kg in der geschätzten Fettmasse – sehen lassen kann. 

Auch die Mediziner waren mit dem Ergebnis zufrieden, denn parallel zur Gewichtsabnahme und der größeren Fitness besserten sich auch alle Risikoparameter wie Blutdruck (-1,6/-1,4 mm Hg), Cholesterin (-12,8 mg/dl), Triglyzeride (-13,2mg/dl), Nüchternblutzucker (-1,7mg/dl) und auch die HOMA-IR (homeostasis model assessment of insulin resistance), ein Maß für die beginnende Diabeteserkrankung, besserte sich. In vielen Parametern waren die Ergebnisse nach 12 Monaten positiver als nach 6 Monaten. Die Hoffnung, dass einigen Teilnehmern ein Typ-II-Diabetes mellitus in jungen Jahren erspart bleibt, scheint daher berechtigt zu sein. 

Der Aufwand ist jedoch enorm. Savoye-Desanti zufolge muss nämlich viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die Kinder zur Teilnahme zu bewegen. Von zentraler Bedeutung sei es auch, die Eltern zu motivieren, denen die Probleme ihrer Kinder oft weniger offensichtlich sind als den Medizinern. Savoye-Desanti spricht deshalb auch von einer Familientherapie.

Die Betreuung fettleibiger Kinder ist kostenintensiv. Ob die Umsetzung des Bright Bodies-Programms kosteneffektiv ist, müsse offen bleiben, schreibt Savoye-Desanti. Ihre Gruppe ist jedoch nicht ganz unbeteiligt an den hohen Kosten. Denn für die Handbücher der patentierten Smart Moves-Moduls verlangen die Autoren im Internet stattliche 655 US-Dollar (pro 20 Exemplare), statt es kostenlos im Internet zu veröffentlichen. © rme/aerzteblatt.de

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