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Demenz: Mehrere Gendefekte führen zum Morbus Pick

Mittwoch, 11. Juli 2007

Toronto – Die frontobasale Demenz, auch Morbus Pick genannt, kann durch Mutationen im Gen für das Eiweiß Progranulin ausgelöst werden. Eine Publikation in Neurology (2007 69: 140-147) deutet auf eine große genetische Heterogenität hin.

Der Stammbaum der Familie aus Kalabrien, die Ekaterina Rogaeva von der Universität Toronto untersuchen konnte, ließ sich über 15 Generationen bis in der 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Während dieser Zeit habe es mindestens fünf Heiraten unter Cousins/Cousinen gegeben, berichtet Rogaeva. Diese ausgeprägte Konsanguinität dürfte für die starke Verbreitung der Demenz in der Familie verantwortlich sein. Bei 36 Familienmitgliedern wurde diese nach Morbus Alzheimer und Lewy-Body-Demenz dritthäufigste Demenzform bisher diagnostiziert. 

Die kanadischen Forscher konnten bei 13 dieser Patienten Gentests durchführen. Sie suchten dabei nach bekannten Mutationen im Gen für das Eiweiß Progranulin, einem Wachstumsfaktor, der für das Überleben von Hirnzellen wichtig ist. Mutationen können zu einem frühzeitigen Absterben der Hirnzellen führen, die dann die für die Erkrankung typischen intrazytoplasmatischen, argentophilen Kugeln enthalten, die „Pick-Körperchen“.

Zu ihrer Überraschung hatten nur neun der 13 Patienten die gesuchte Mutation im Pick-Gen. Dies bedeutet, dass sich bei den vier anderen wenigstens ein bisher noch unbekannter Gendefekt in die Familie eingeschlichen hat. Wegen einer autosomal-dominanten Vererbung ist mit weiteren Erkrankungen zu rechnen.
Tatsächlich fiel der Gentest bei zehn bisher gesunden Familienmitgliedern positiv aus. Bei ihnen könnte es später zum Ausbruch der Erkrankung kommen, die in ihrer Ausprägung sehr variabel ist. Einige Familienmitglieder erkrankten bereits mit 35 Jahren, andere erst mit 87 an der Demenz, die sich in Sprachproblemen und Persönlichkeitsstörungen sowie einem unangemessenen sozialen Verhalten äußert, anders als der Morbus Alzheimer jedoch das Gedächtnis noch lange Zeit intakt lässt.

Bei allen untersuchten Patienten war nur eines der beiden Allele des auf dem Chromosom 17 lokalisierten Gens defekt. Aufgrund der Konsanguinität hätten nach Berechnungen der Forscher auch Patienten mit Mutationen in beiden Allelen auftreten müssen. Sie vermuten, dass diese Variante nicht mit dem Leben vereinbar ist und die Betroffenen bereits vor der Geburt sterben. © rme/aerzteblatt.de

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