Politik

Koalition will Stammzellforschung erleichtern

Dienstag, 17. Juli 2007

Berlin – Nach der Empfehlung des Nationalen Ethikrats für Erleichterungen bei der Stammzellforschung wollen Experten der großen Koalition eine entsprechende Gesetzesnovelle in Angriff nehmen. Ein Kompromiss könnte die Verschiebung der bisherigen Stichtagsregelung sein, sagte die forschungspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion, Ilse Aigner (CSU), am Dienstag. Damit stünden der Wissenschaft Hunderte neuer Stammzelllinien zur Verfügung.

Derzeit darf hierzulande nur mit Stammzellen gearbeitet werden, die im Ausland vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. So will man verhindern, dass für die deutsche Forschung Embryonen getötet werden. Der Ethikrat hatte am Montag mit knapper Mehrheit eine Abschaffung des Stichtags gefordert, da ansonsten die Forschung in Deutschland weiter ins Hintertreffen gerate.

Der SPD-Forschungspolitiker Rene Röspel kündigte an, er werde bei den anderen Fraktionen für eine Initiative werben, die den 1. Mai 2007 als neuen Stichtag anstrebt. Dies eröffne den Zugriff auf etwa 500 neue Stammzellenlinien. Röspels CDU-Kollege Michael Kretschmer sprach sich dafür aus, der Empfehlung des Ethikrates zu folgen und den Stichtag generell abzuschaffen.

Beide vertraten die Meinung, dass sich das Versprechen der Politik an die Forschung, in Deutschland konkurrenzfähig arbeiten zu können, nicht mehr einlösen lasse. Die alten Stammzellenlinien seien größtenteils nicht mehr verwendbar. Der ethische Standpunkt des Gesetzes von 2002 werde durch die Änderungen nicht angetastet, versicherten Röspel und Kretschmer. Auch sollten deutsche Forscher nicht mehr mit Strafe bedroht werden, die sich im Ausland an Forschungen beteiligen, die nach deutschem Recht illegal wären. Auch dies hatte der Ethikrat gefordert.

Gegen eine Gesetzesänderung votierte CDU-Bioethikexperte Hubert Hüppe. Die Verschiebung des Stichtags sei nicht tragbar. „Damit würden wir die Tötung von Embryonen veranlassen. Denn die Produzenten der Stammzellen und die Forscher würden sich darauf verlassen, dass wir den Stichtag immer wieder ändern“, sagte Hüppe.

Die FDP-Fraktion dagegen will eine Gesetzesnovelle laut ihrem Gesundheitsexperte Detlef Parr unterstützen. Die Liberalen dringen dabei auch auf ein Ende des Verbots der so genannten Präimplantationsdiagnostik, die der Aufdeckung schwerer Erbkrankheiten vor der Geburt dient. Paare mit Kinderwunsch, deren Familien mit Erbkrankheiten belastet seien, dürften nicht länger im Stich gelassen werden, sagte Parr.

Die Europäische Gruppe für Ethik (EGE) sprach sich unterdessen dafür aus, nur solange mit menschlichen embryonalen Stammzellen zu forschen, bis vergleichbare Alternativen zur Verfügung stehen. EU-geförderte Forschungsprojekte mit embryonalen Stammzellen müssen aus Sicht der EGE zudem grundsätzlich die Rechte der Spender berücksichtigen.

Dies betrifft den Gesundheitsschutz der Spender, datenschutzrechtliche Bestimmungen und das Verbot der Kommerzialisierung der Spenden. Die EGE berät die Europäische Kommission bei Forschungsprojekten, für die die Europäische Union (EU) Mittel bereitstellt. © ddp/ps/aerzteblatt.de

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