Politik

Befragung: Mangel an Pflegekräften beeinflusst Pflegequalität

Mittwoch, 18. Juli 2007

Berlin - Die Pflegequalität und die Patientensicherheit in deutschen Krankenhäusern ist bedroht. Grund ist, dass die Kliniken Pflegekräfte einsparen. Von 1995 bis 2005 hätten die Krankenhäuser 13,5 Prozent der Pflegekräfte abgebaut, heißt es im „Pflege-Thermometer 2007“, das das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) am Mittwoch in Berlin vorlegte.

Zugleich habe sich die Zahl der stationär behandelten Patienten um rund sechs Prozent auf 16,84 Millionen erhöht. Das Institut sprach von ersten Risiken und Einschränkungen in der Qualität der Pflegeversorgung. In jedem fünften Haus kommt es laut Untersuchung häufiger als noch vor zwei Jahren vor, dass ein Patient länger als 15 Minuten auf eine als notwendig erachtete Gabe von Schmerzmitteln warten muss. Nur in jedem vierten Haus passiere es nie, dass die engmaschige Kontrolle eines Patienten nicht gewährleistet werden könne.

Knapp 30 Prozent der befragten Pflegedirektionen befanden, die Möglichkeit zu ausreichender pflegerischer Versorgung sei von 2005 auf 2007 gesunken. Das sei „sehr bemerkenswert und auch besorgniserregend“, sagte der Leiter der Studie, Frank Weidner. Die „Rationierung der Pflege“ in Krankenhäusern sei in vollem Gange. Die Folgen würden nun spürbar.

Als Gründe für den Stellenabbau in der Pflege nannte das Institut die Einführung neuer Tarifsysteme sowie die Umstellung der Finanzierungsgrundlagen der Krankenhäuser durch das Fallpauschalensystem. Das dip befragte für die als repräsentativ bewertete Erhebung Leitungspersonal im Pflegebereich aus 263 Kliniken.

„Der in der Studie beschriebene Stellenabbau im Pflegebereich in deutschen Krankenhäusern ist kein isoliertes Problem einer einzelnen Berufsgruppe. Mittlerweile setzt sich der Personalabbau in den Krankenhäusern bei fast allen Berufsgruppen im vierten Jahr in Folge fort“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum. Dies verdeutliche die schwierige finanzielle Lage der Krankenhäuser. Verantwortlich seien die seit Jahren gedeckelten Budgets, die den Kliniken den Handlungsspielraum erheblich einschränkten. 

Baum kritisierte, dass die Politik den Krankenhäusern über Einspargesetze und Sanierungsbeitrag 2007 rund 700 Millionen Euro entzögen. Hätten die Kliniken die einzusparenden Mittel zur Verfügung, könnten sie damit rund 14.000 Pflegekräfte finanzieren.

Nach der neuesten Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes wurden 2005 insgesamt 9.891 Vollkraftstellen in den Kliniken abgebaut. Im Jahr 2005 waren insgesamt 796.097 Vollkräfte in den Kliniken tätig. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber 2004 von 1,23 Prozent (805.988). Vom Personalabbau waren neben dem Pflegedienst (-2,31 Prozent), Mitarbeiter im Wirtschafts- und Versorgungsdienst (-5,67 Prozent) sowie das Klinische Hauspersonal (-9,45 Prozent) betroffen. Dagegen verzeichnete der Ärztliche Dienst einen Zuwachs von 3,34 Prozent. © kna/hil/aerzteblatt.de

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