Boston – Wer enge soziale Beziehungen – auch über große Distanzen – mit Übergewichtigen pflegt, läuft Gefahr, selber übergewichtig zu werden. Freundschaften sind nach einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2007; 357: 370-379) ein deutlich stärkeres Adipositasrisiko als die genetische Verwandtschaft.
| Soziale Netzwerke in der Framingham-Studie |
Schon bald fielen den Forschern Ansammlungen (Cluster) von dünnen und übergewichtigen Personen auf. Die nähere Analyse zeigte, dass diese Ähnlichkeiten nur schwer erklärt werden können. Es war keineswegs so, dass die befreundeten Personen die gleichen Restaurants besuchten oder Mitglieder in den gleichen Vereinen waren. Auch Freundschaften, die über große Entfernungen geführt wurden, hatten einen Einfluss auf das Körpergewicht, der oft stärker war als der einer lebenslangen Ehegemeinschaft. Eine Assoziation war sogar noch über drei Stationen des Netzwerkes nachweisbar: Ein Adipositasrisiko besteht auch dann noch, wenn der Freund des Freundes des Freundes übergewichtig ist.
In Zahlen ausgedrückt erhöht das Übergewicht eines engen Freundes das eigene Adipositasrisiko um 57 Prozent. Der Einfluss ist damit größer als der des jüngst entdeckten FTO-Gens (Science 2007; 316: 889-894), dessen heterogygote Merkmalsträger ein relativ um 30 Prozent gesteigertes Adipositasrisiko haben. Bei Homozygoten steigt es um 67 Prozent. Das ist weniger, als eine enge Freundschaft unter Männern und Frauen bewirken kann. Wenn der Freund vom gleichen Geschlecht ist, steigt das Adipositas-Risiko um 71 Prozent. Wurde die Freundschaft gegenseitig bekundet, wenn also beide den jeweils anderen als engen Kontakt angegeben hatten, stieg das relative Risiko sogar um 171 Prozent.
Geschwister wirken weniger ansteckend auf das Körpergewicht. Übergewichtige Geschwister erhöhen das Risiko nur um 40 Prozent, der Ehepartner übrigens nur um 37 Prozent. Was nichts anderes bedeutet, als dass eine enge Freundschaft den Lebensstil mehr prägt als Ehe und Familie. © rme/aerzteblatt.de
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